Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506870
Das Wesen der Malerei, begründet und erläutert durch die in den 
Kunstwerken der bedeutendsten Meister enthaltenen Principien. Ein Leit- 
faden für denkende Künstler und gebildete Kunstfreunde von M. Ünger, 
Leipzig, 1851. (XX und 554 S. in 8.) 
Kunstblatt 
1851 
Es ist ein unverkennbares Streben unsrer Zeit, aus der dilettantisti- 
sehen Auffassung der künstlerischen Dinge hinauszukommen und dieselben 
gründlich und sicher an ihren Wurzeln  ihrem Inhalte, wie ihrem Ur- 
sprunge nach  aufzufassen. Wir haben dafür in den letzten Jahre" 
mehr als einen schätzbaren Beleg erhalten. Das in der Ueberschrift ge- 
nannte Buch ist ein neuer Beleg; es wird für die Auffassung der Dinge 
im Bereiche der Malerei eine entscheidende Einwirkung ausüben. wen" 
es auch zu solcher Einwirkung noch mancher vermittelnden Kanäle be- 
dürfen wird,- wenn auch der Verfasser den Ruhm, der ihm gebührt, viel- 
leicht mit späteren Nacharbeiten) wird theilen müssen. 
Das Buch bietet sich, was voraus bemerkt werden muss, dem Leser 
in einer nicht gar ansprechenden Form dar; es gehört Ausdauer und 
Ueberwinduug dazu, bei der Lectüre desselben zu beharren. Dem Style 
fehlt es fast zu sehr an künstlerischem Vermögen. Die Sprache iSt in 
ungewöhnlicher Weise mit Fremdwörtern beladen; die Sätze sind schwer. 
oft verwickelt und selbst verworren gebaut. Der Ausdruck bewegt sich 
fast unausgesetzt in Abstractionen, die nicht selten bis zum Uebermaasse 
gehäuft Siud- Der Verfasser ist mit seinen geistigen Organen auf einem 
Geblßf Zu Hause, dem die Sprache nochnicht überall als schulgerechte 
VCTmmelung gegenüberstehen mochte; seine Sprache ist ein Ringen mit 
dem Gedanken und das, was von solchem Ringen als Gewöhnung zurück- 
geblieben. YVer ihm nicht mit angespannter Aufmerksamkeit folgt, ver- 
liert den Faden leicht, verliert ihn auch ab und zu wohl bei aller Auf- 
merksamkeit. Manche Stellen scheinen einen nicht ganz nothwendigen 
Aufwand an Worten zu enthalten; das Verständniss mancher andern ist 
man geneigt, von künftiger-erneuter Lectüre zu erwarten 1). Doch aber 
lebt man sich allmählig in diese eigenthümliche Ausdrucksweise hinein; 
mehr und mehr reizt das Einzelne, halb Räthselhafte, zum ernstlichercn 
Nachsinnen; gelegentliche Aussprüche einer fast gnomischen Weisheit 
geben eine tiefere Anregung, und man fühlt sich überrascht und wie von 
einer Begeisterung mitfortgezogen, wenn dem Verfasser bei den Erschei- 
nungen der Kunst, die ihm die theuersten sind, doch endlich das Herz 
überströmt und sein Wort sich aus dem Tappen und Suchen zur blühenden 
Gestalt aufschwingt. 
Der Verfasser hat sich mit vollster Entschiedenheit dem ausschliesslich 
Künstlerischen, oder vielmehr  nach der engeren Aufgabe seines Buches 
1) Das oben Gesagte gilt ganz besonders auch von dem einleitenden Kapi- 
tel, in welchem der Verfasser seine kuustphilosopliischen Grundsätze darleglg. 
Ich habe es hier nicht für erforderlich gehalten, auf den Inhalt dieses Kapitels 
näher einzugehen, glaube dies vielmehr den Aesthetikerrl von Fach überlassen 
zu dürfen, falls sie dazu geneigt sein sollten.
        

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