Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500356
Erdenwalle: 
lstlers 
ginals. etwa durch Nachdunkeln oder Retouchen hervorgebracht, sein dürfte, 
Der Kopf ist nicht minder tleissig gearbeitet, leider jedoch wenig anspre- 
chend; er enthält nur die bekannte flache Idealität des Guido Reni. 
Ueberhaupt können wir nicht wohl umhin, unser Bedauern auszuspre- 
chen, dass der Kupferstecher gerade ein solches Gemälde zur Nachbildung 
wählte; denn wenn ihn auch die vollendete Formenbildung im Original 
anzog und zum Wettstreit aufforderte. so kann dies doch nicht den unan- 
genehmen Eindruck aufheben, welchen der ausdruckslose Kopf und die 
pretiöse Stellung des Heiligen auf den unbefangenen Beschallßr maß-hell- 
Es kommt, so düukt uns, bei einem Kunstwerke zuerst auf den Inhalt 
an und zum zweiten auf die Form. 
Liebhabern und Sammlern indess kann dies im Uebrigen so höchst 
ausgezeichnete Blatt auf jeder: Fall nur willkommen sein. 
Künstlers Erdenwallen. Componirt und lithographirt von A. Menzel. 
Herausgegeben von L. Sachse Sz Comp. Berlin, 1834. 
(Museum 
1834, 
Mit diesem Heft, welches auf 6 Blättern in Folie 11 mit der Feder 
gezeichnete Darstellungen enthält, tritt vor dem grösseren Publikum, so 
viel uns bekannt, zum ersten Mal ein junger Künstler auf, dessen Talent 
als ein nicht gewöhnliches zu beachten ist und Bedeutendes für die Zu- 
kunft zu versprechen scheint. Eine gemüthliche Auffassung, eine anspruch- 
lose, leis ironische Darstellung, eine gesunde, besonnene Technik ist das 
zunächst Eigenthümliche der vorliegenden Blätter. Sie stellen die Ent- 
wickelung eines Künstlers im Kampf gegen widerstrebende Verhältnisse dar. 
Ihr Inhalt ist in Kurzem, nach Angabe der Unterschriften, folgender: 
Keim. Der Knabe hat mit Kreide Figuren auf die Dielen gezeichnet und 
bekommt vom Vater, einem wohlgenährten Goldschmiedemeister, Schläge.  
'l'riel.i. Er ist Geselle bei einem Schuhmacher und zeichnet unter allerlei 
I-landwerksgeräth, bei der Arbeitslampe, nach der Büste Blüchers. Ein 
überaus anmuthiges Bildchen, in jeder Beziehung gelungen und das Treff- 
lichste des ganzen Heftes; es ist etwas so Glückliches in dieser einfachen 
Composition, es spricht sich ein soreines, liebenswürdiges Gßmüth darin 
aus, und das Ganze ist mit so unverkennbarer Liebe gezeichnet, dass 111811 
nur ungern weiter blättert, Sehr ungezwungen und doch auf wohl über- 
legte Weise ist das phantastische Schustergeräth umher geordnet; der schöne 
Knabe ist ganz bei seiner Arbeit, alles Andre um sich vergessend, und wir 
freuen uns mit ihm, dass die Uhr, welche hinten an der Wand, neben dem 
Ofen, hängt, eben erst die frühe fünfte Stunde geschlagen hat, dass er sein 
Glück also noch eine volle Stunde bis zum Anfang der Arbeit geniessen 
kann.  Zwang. Dieselbe Werkstatt, aber Vormittags um 10 Uhr; die 
Thiir hinten, die zur Küche führt, ist geöffnet, und man sieht den Meister, 
wie er eine Masse bezeichneter Papiere auf den brennenden Heerd wirft, 
der Meisterin zur grossen Freude; vorn sitzt der arme Junge brütend am
        

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