Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506739
Eine Reliquie 
VOR 
Erwin 
Spßnkter. 
703 
wohl etwas saftiger behandelt sein. Aber ein Grad zu 
als zwölf Grade zu viel. Jedenfalls ist es ein Blatt, 
'I'echnik ncmlich  dem Vaterlande Ehre bringt. 
wenig 
das  
ist besser 
in seiner 
Reliquie 
Eine 
von Erwin Speckter. 
Kuustblatt 
1850, 
Uns liegt ein kleiner Kupferstich nach einer Jugendarbeit dieses allen 
Freunden deutscher Kunst allzufrüh geschiedenen Künstlers vor. Der 
Stich hat etwas über 31f2 Zoll Höhe und gegen 5 Zoll Breite und stellt die 
drei Marien am Grabe Christi dar. Es ist das Innere der Grabeshöhle; 
der Engel sitzt auf dem Rande des offenen Grabes, mit der einen Hand in 
dasselbe, mit der andern nach oben deutend; Maria Magdalena ist näher 
herangetreten und schaut in das Grab; die beiden andern Frauen stehen 
am Eingang der Höhle. Composition, Auffassung und Durchführung lassen 
ganz jene alterthümlich stylmässige Richtung erkennen, die in Overbeck 
ihren Hauptvertreter findet. Das Original ist, in der Grösse des Stiehes, 
sorgfältigst in Wasserfarbe ausgeführt; der Stich, von F. Schröder her- 
rührend, zeichnet sich durch eine zarte, sinnig eingehende Behandlung 
aus, der Weise der kleinen Kupferstiche von ähnlicher Dimension nahe 
Siiisviglndärif" vhiriggliilieihiin dem "Verein zur Verbreitung religiöser Bilder in 
 Däls Blfl-it gehen-t einer ltichtung an, die wir als antiquirt betrachten, 
dlß w" mlt Entsßhlßdßllhell von uns weisen müssen, wenn sie sich uns 
als eine dallßmd gültige aufdrängen will. Ihre conventionellen Formen 
sind nicht geeignet, den Vollgehalt des Lebens, auf den gerade unser heu- 
tiges künstlerisches, wie sittliches Leben uns hinführt, zur Erscheinung 
zu bringen. Auch E. Speckter hatte dies später, bei der Erstarkung seines 
künstlerischen Willens, bei der Erweiterung seines künstlerischen Gesichts- 
kreises, sehr wohl erkannt. Wohl aber hatte diese Richtung zu ihrer Zeit, 
als Durchgangs- und Entwiekelungs-Moment, ihre Nothwendigkeit, ihr 
Recht für sich. Sie war der bestimmte Ausdruck eines eben erwachenden, 
tiefsinnig jugendlichen Gemüthes.  einer zarten religiösen Sentimentalität, 
die dem jugendlichen Auge oft eine so eigenthümliche Schönheit giebt. 
Und wo künstlerische Werke aus solcher ächten Jugendlichkeit geboren 
sind und ihren Stempel tragen, da allerdings werden wir mit herzlicher 
Theilnahme immer auch bei ihnen gern verweilen. Da sind ihre conven- 
tionellen Formen nur das äussere Gewand liebenswürdiger Subjectivität; 
da ist es die Wahrheit der letzteren, die uns fesselt und den Anspruch 
auf den thatsächlichen Ernst dessen, was vorgeführt werden sollte, fern hält. 
So in den Repräsentanten ganzer jugendlicher Epochen, wie in Fiesole 
oder den Meistern der altkölnischen Malerschtile,  so in den Jugend- 
arbeiten einzelner grosser Künstler, die sich zur Vollendung emporgerungen, 
z. B. Raphaels. Und eben dies ächt Jugendliche, fast Kindliche in dem 
nach E. Speckter gestochenen Blättchen, die keusehe, zarte Sentimentalität,
        

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