Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506637
Landschaftliche 
Radiruugan 
(59 3 
Pluswahl landschaftlicher 
und zweites Heft. Berlin, 1848. 
Rallirungen von G. W. Kolbe. Erstes 
Verlag von Dietrich Reimer. Quer-FQL 
(Kunstblatt 
1848, 
Der Dampfwagen führt uns heutiges Tages im Fluge 111111711 das 
Dessauer Ländehen hindurch, und sein Ungestüm lässt uns kaum Zeit, auf 
die aumuthigen Waldpartieen, die wir durchschneiden oder die sich unfern 
von der Eisenbahn hinziehen, auch nur einen flüchtigen Blick zu werfen. 
Die Umgegend von Dessau hat aber ihre grossen und eigenthümlißhßn 
Reize. Die lange Regierung des früheren Fürsten, nachmaligen Herzogs 
Leopold Friedrich Franz, in der zweiten Hälfte des vorigen und in den 
ersten Dceennien dieses Jahrhunderts, die dem Lande so viele Wohlthatcn 
gab und sicherte, hat auch seiner äusseren Gestalt das anmuthigste Ge- 
präge aufgedrückt. Der Fürst war bemüht, Seiner poetischen Lebensau- 
schätiung eine auf das Volk wirkende, feste, dauerbare Gestalt zu geben. 
Vieles davon, was mit den sentimental-poetischen Neigungen der Zeit 
unmittelbar zusammenhing  seine Tempel, Nymphäen, künstlichen Fels- 
grotten, Denkmäler, Einsicdeleien u. dergL, in den Parks von Wörlitz 
und Dessau  will uns heute zwar nicht mehr sonderlich anmuthen; aber 
glücklicherweise hat er sich hierauf keineswegs beschränkt. Der frische 
Laubwuchs der grossen Gartenanlagen, mit feinem Sinne künstlerisch an- 
gßßfdllätr bringt noch heute die edelsten und wohlgefalligsten Bilder 
hervor, _1n deren Einschluss selbst jene Aeusserungen eines künstlich 
spielenden Geschmackes nicht ganz unberechtigt erscheinen. Und, was 
mir 110671 {lllglßlßh bemerkenswerther erscheint, mit demselben Sinne ist 
grossßnthells auch die freie Landschaft behandelt. Die Oekonomie, zumal 
im fruchtbaren Lande, ist mit ihren scharf und geradlinig abschliessenden 
(jränzen nur zu häufig die Feindin der edleren Form. Hier sehen wir 
auch die Gesetze der letzteren gern festgehalten. Besonders bei den 
Uebergängen der Eichenwälder in die freien Wiesentlächen ist dies der 
Fall; die Couture der Wälder sind bewegt und nicht selten springen 
einzelne Bäume oder Gruppen oder Baumreihen in die Wiese hinein, dem 
Auge das volle Bild des landschaftlichen Wechsels gewährcnd. Es ist 
etwas von der Disposition Claude Lorrainscher Landschaften darin, und 
ich glaube auch, dass die Anlagen in mehr als einem Falle nach den 
Compositionsprinzipicn des grossen Landschafters gemacht sind; es ist 
möglich, dass dergleichen zu Anfang sich mehr oder weniger steif aus- 
genommen hat; jetzt, nachdem so viele Jahrzehnte darüber hingegangen 
sind, erscheint Alles der Art in die freie, selbständige Oekonomie der 
Natur und des Bedürfnisses aufgelöst. 
Ein so schön gestaltetes Naturleben, wenn die Gegend an sich auch 
flach und durch irgend bedeutender-e Formationen des 'l'errains nicht be- 
günstigt war, musste dem naehbildenden Künstler tinbetlenklich den man- 
nigfachsten Stoff und die schätzbarsten Motive geben. C. W. K olbc, ein 
Berliner von Geburt (er starb 1835, über 70 Jahre alt), ist es, der hier 
das Feld für seine künstlerische Thätigkcit gefunden hat. Gemalt hat er, 
Süviel ich wciss, nicht; aber in einer höchst bedeutenden Anzahl von 
Radirungen, zumeist in sehr grossem Format, hat er seinen künstlerischen
        

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