Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506589
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen 
hiesigen Königl. Eiscngicsserei haben nicht ganz so angesprochen, wie 
frühere Arbeiten dieser Anstalt. Man vermisste in etwas den edleren 
Styl in der Gesammtanordnung und die mehr classische Dllfchbiitlllllg 
in den Sculpturen, die ihre grössereu Leistungen sonst auszuzeichnen 
pflegte. 
Von unserm Landsmann Emil Wolff in Rom hat die Ausstellung 
eine mit feinem Geschmack durchgearbeitete Marmorbüste unsres Akade- 
miedirektors, G. Schadow.  Ausserdem sind aus Rom zwei grössere 
Marmorsculpturen von Steinhäus er eingesandt. Die eine ist die Statue 
eines nackten Jünglings, im Charakter eines Apollino, der die Geige spielt 
und über dessen Rücken die Chlamys niederhängi? Die Einführung der 
modernen Geige in die Zustände griechischer Nacktheit macht sich ein 
wenig seltsam (seltsamer als auf Raphaels Parnass); abgesehen aber davon 
zeichnet sich die Arbeit durch einen sehr zarten, fast musikalischen Fluss 
der Formen aus. Es ist jedenfalls eins der schönsten Stücke der Aus- 
stellung. Noch ungleich bedeutender indess ist Steinhäusefs zweite Ar- 
beit, eine Gruppe lebensgrosser Gestalten, Hero und Leander. llero, nur 
halb mit einem Gewande bedeckt, sitzt am Ufer, aus dessen Wellen der 
Geliebte so-eben emporgetaucht ist; er liegt ihr zur Seite, sie umschlin- 
igend, sich halb an ihr emporrichtend. Sie hat sein Haupt gefasst und 
blickt ihm in das schöne, halb erschöpfte und doch liebeselige Antlitz, 
Die Composition der Gruppe, bei dem wechselseitigen Umschlingen der 
Gestalten, War gewiss keine ganz leichte Aufgabe; auch scheint es mir, 
dass hier und dort der Rhythmus der Linien noch harmonischer lauten 
könnte. Gleichwohl aber ist das Wesentliche der Aufgabe so glücklich 
gelöst, ist der Ausdruck des Gefühles nach den verschiedenen Bcilingirissgn 
der Situation so lebendig gegeben und durch. die Gestalten selbst durch- 
geführt, ist in diesen eine so feine Beobachtung edel schöner jugendliche;- 
Formen entwickelt, dass wir der Arbeit unbedingt einen sehr bedeuten- 
den Rang unter den Leistungen der Gegenwart zuerkennen müssen, wie 
wir überhaupt Steinhäuser zu den schönsten Talenten seines Faches zählen_ 
Zur Sculptur gehört noch, als ein interessantes und in seiner monu- 
mentalen Bedeutung eigenthümlich wichtiges Nebenfach, die Kunst der 
Medaillenarbeit. Es fehlt derAusstellung nicht an mancherlei Beispielen, 
die den gegenwärtigen Zustand desselbenin Berlin dokumcntiren. Die 
Summe dieser Dokumente giebt aber ein betrühtes Resultat: es ist keine 
wahrhafte Kunstarbeit darunter, vielmehr, wenigstens in bei weitem übel-- 
wiegendcm Maasse, nur eine mehr oder weniger entwickelte, gelegentlich 
auch nur sehr leere handwerkliche Thätigkeit vorherrschend. Von einer 
Medaille zwar hätte ich dies, nach dem Namen und den früheren Lei- 
stungen des Medailleurs und nach den vorangegangenen öffentlichen Lob- 
preisungen der Merlaille, nicht erwartet. Dies ist die auf Alexander 
v. Humboldt geprägte, von K. Fischer gearbeitete grosse sogenannte 
"Kosmos-Medaille." Die Vorderseite enthält das Protilbild des Gefeierten, 
von Fischer nach dem Leben modellirt, allerdings ähnlich und nicht ohne 
Lebendigkeit, aber sowohl überhaupt ohne höheren plastischen als ohne 
den speziellen Medaillenstyl, den Fischer in den Arbeiten früherer Jahre 
so meisterlich zu erreichen gewusst hat. Auf der Rückseite ist eine reiche 
und sehr complicirte Darstellung, und zwar nach Cornelius' Composition, 
enthalten. Zu äusserst ein breiter Rand mit den sänimtlichen Gestalten 
des "Phierkrcises. Innerhalb desselben ein starker Kranz von allerhand
        

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