Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506572
Briefe. 
Berliner 
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Zügc unsres verehrten Gartenkünstlers Lehne trägt. Dann hat Rauch das 
Modell eines lebensgrossen, bittenden Mädchens im Kindesalter ausgestellt, 
das nackt, dem Katalog zufolge nur als Studium behandelt ist, dabei aber 
wieder die durch und durch gefühlte Naturlebendigkeit mit edclster, rein- 
ster Haltung in einer Weise verschmilzt, welche der Arbeit gleichwohl das 
Gepräge des abgeschlossenen Knnstwerkes giebt. Zu den Studien für 
junge Künstler dürfte freilich nicht leicht ein besseres Modell zu finden 
sein.  F. Tieck hat uns, ausser einer Büste, das halblebensgrosse Mo- 
dell der Statue einer sitzenden Muse, eine Arbeit im wohl entwickelten, 
mehr dekorativen Style, gebracht,  Wichman n, ausser einigen Büsten, 
die übcrlebensgrosso Statue Winckelmanms, im Kostüm seiner Zeit. Die 
Arbeit ist mit aller erforderlichen meisterlichen Praktik durchgeführt, 
will auf mich aber nicht recht erfreulich wirken. Der Kopf wird ähnlich 
sein; es fehlt mir in Stellung und Haltung jedoch der begeisterungsvolle 
Ernst, den wir bei dePErscheinnng des grossen Propheten der Schönheit, 
auch wenn er nicht auf griechische Weise idealisirt ist, nothwendig for- 
dern müssen. Es kommt hinzu, dass der Künstler ihm, wohl um die 
Erscheinung voller zu machen, einen Mantel gegeben, es aber doch nicht 
gewagt hat, ihn den Mantel fest und sicher tragen zu lassen. Aeusser- 
liehen Stylprincipien zu Liebe sinkt der Mantel (was freilich gar man- 
chem Bildhauer heutiges Tages ganz unbedenklich scheint) zur Hälfte 
herab und wir haben nun fortwährend die Sorge. dass der Mann im näch- 
sten Augenblick, um den Mantel zu retten. seine monumentale Stellung 
verlassen muss, so wohl diese überlegt sein mag. Wichmanns Talent 
scheint mir nach einer andern Richtung als der der historisch-monumen- 
talen Sculptnr hin zu liegen. 
Andres, wie eine grosse Marmorgrnppe, Amor und Psyche, von 
Berges, Wle ein Amor in Marmor von E. Hopfgarten, wie ein Gyps- 
modell des eisengepanzerten Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg, 
etwa im Schwanthalefschen Style. von W". Stürmer, und wie eine An- 
zahl von Schülerarbeiten hat auf nähere Betrachtung nur mässigen Anspruch. 
Das lebensgrosse Modell eines Jünglinge, der in ziemlich lebhafter Bewe- 
gung eine Gans trägt, von Piehl, ist wohl gearbeitet, wenn man auch 
die dargestellte Situation nicht recht versteht, ebenso der Marmorkopf 
eines Knaben, von A. Fischer.  Eigenthümliches Interesse gewähren 
ein Paar Arbeiten von B. A fingc r, eine Statuette der Maria mit dem Kinde, 
und ein kleines Bronzerelief mit der Darstellung der Auferweckung des La- 
zarus, das für einen Grabstein des Johanniskirchhofcs zu Nürnberg bestimmt 
ist. Atinger hat in diesen Arbeiten mit feinem Sinn, wenn auch nicht 
eben mit reiner Naivetät, die mittelalterliche Behandlungsweise, beson- 
ders wie sie bei Peter Vischer rlegscheinlt, nachgeahättü- sflolizfüfgliglhe 
Bedentun hat eine Anzahl von ierscu pturen von 1 1. 0 t "3 
theils fürgden Bronzeguss bestimmt, theils schon als Bronzen ausgestellt 
sind. Bereits auf der vorigen Ausstellung hatte dieser Künstler mit ähn- 
lichen Arbeiten allgemeine Bewunderung hervorgerufen; auch diesmal 
zeigt er sich der ganzen Organisation des thierisehen Lebens und aller 
leidenschaftlichen Erregung desselben, in liluntlen, PantherntLotven, Ebern, 
Schlangen, mit Meisterschaft mächtig. Ein Rehboek und ein Elennhlrsch 
von Bürde. ein Neufoundländer Hund.in Lcbensgrösse von Müller 
haben ebenfalls, wenigstens als gründliche Portraitarbeiten, ihrenWeI-th,  
Einige. mit freier, bildnerischer Zierde versehene Decorationsarbeiten der
        

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