Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506535
Burli: 
1er läriäfe. 
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hoher) Figur gemalt.  Ein Blatt von Frl. Emineline Humblot in 
Dresden enthält eine Gruppe von Früchten, in Aquarell auf farbigem 
Papier gemalt. tDie Farbe des Papiers macht den Grund des Bildes aus, 
welches somit von vornherein der vollen malerischen Selbständigkeit ent- 
sagt und mehr nur als Naturstudie gelten will. Aber es ist wenigstens 
eine so unbedingte, so bis in die letzten Punkte durchgeführte Natur- 
wahrheit darin, dass ich mich. kaum entsinne, je etwas Aehnliches der 
Art gesehen zu haben.  Fünfzehn grossc Arabeskenblätter endlich, in 
Aquarell auf weissem Karton gemalt, bezeichnet der Katalog in Compo- 
sition und Ausführung als gemeinschaftliche Arbeit von Frl. Louise 
Kugler und Frl. Albertine v. Hochstetter. Es sind Randverzie- 
rungen zu dem Gedicht "Morgenländischer Mythus" von Emanuel Geibel. 
Das Gedicht ist auf die fünfzehn Blätter vertheilt und in seinen einzelnen 
Abschnitten mit den Randverzierungen umgeben, die aus ornamentisti- 
schem Blumen- und Rankenwerk und aus figürlichen Darstellungen be- 
Sttfllßll; die letzteren sind theils in das Ornarnentwerk verflochten, theils 
bilden sie selbständige Darstellungen mit landschaftlichem Grunde. Es ist 
wohl noch etwas Dilettantisches in diesen Arbeiten; doch sind sie mit 
lebendig poetischem Sinne aufgefasst und zugleich mit einem cigenthüm- 
lich feinen Stylgefühle in Formen und Farben durchgeführt. 
Von dem Fache der Glasmalerei und dem Zustande, in welchem 
sich dasselbe bei uns befindet, giebt die Ausstellung nur ein Paar verein- 
zelte Proben, die aber für das Ganze doch charakteristisch genug sind. 
Ausser einigen nichtssagcnden Stücken kommen hicbei zunächst zwei für 
den Nlagdeburger Dom bestimmte iigürlichc Gemälde, eine bischöfliche 
und C1116 kaiserliche Gestalt etwa in Lebensgrösse enthaltend, in Betracht. 
1539er Beiißllriiff zufolge sind sie, nach Cartbns von Teschner. das eine 
von  Martl I1, des andre von F. Ulrich gemalt, während Farben und 
3m" Xvo" Z__ebgel' (dem technischen Vorsteher der hiesigen Glasmalerei- 
anstalt) herrühren. Die Zeichnung bewegt sich in den conventionellell 
Formen, die den Styl ersetzen sollen und die man herkömmliehermaassen 
als Erforderniss der Kirchenmalerei betrachtet; die Malerei besteht aus 
dem Zusammenstellen glänzend bunter Farben und in der Carnation aus 
höchst allgemein gehaltener. dürftig glatter Colorirung. Die Arbeiten, die 
höchstens in das Fach des Kunsthandwerkes einzureihen wären, bestäti- 
gen, was ich Ihnen am Schluss meines ersten Briefes über den Betrieb 
unsrer hiesigen Glasmalerei gesagt habe.  Und doch zeigt ein Christus- 
kopf, den v. Kloeber gemalt und Lüdersdorf gebrannt hat, was auch 
inidiesem Fache zu leisten wäre, wenn die Arbeit eigentlich künstlerischen 
Händen übertragen würde. Es ist eine Fülle, ein klar-k, eine Tiefe, mit 
einem Wort: eine wahrhaft malerische Behandlung in diesem Bilde, wie 
ich dergleichen bis jetzt an Glasmalereien nur selten gesehen habe. 
liieinit habe ich Ihnen dargelegt, was mir unter den deutschen Male- 
reien unsrer diesmaligen Ausstellung als besonders beachtenswerth erschie- 
ncn ist und was sich mir bei Gelegenheit des Einzelnen an besonderen 
Betrachtungen ergeben hat. lch habe nun noch von unsern Gästen, den 
Werken französischer und niederländischer Maler, zu sprechen. Da es 
mir aber diesmal vornehmlich daran liegt, mich mit lhnen über das llei- 
mische zu verständigen, so werden Sie mir hoffentlich nicht zürnen, wenn 
ich über jene etwas schneller hinweggchc.
        

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