Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506484
Bericl 
Kritiken, 
Erörterungen 
die etwas disharmonische Wirkung auch durch einen äusserlichen Umstand 
verstärkt worden Sein, nemlich. durch den glänzenden Goldrahmen, der 
nicht dazu dient, den Farbenglanz des Bildes abzuschliessen und dadurch 
zu sänftigen. Ich finde, dass überhaupt heutiges Tages mit Goldrahmen 
viel überflüssiger Gebrauch, auch viel Missbrauch getrieben wird._ Möch- 
ten es doch endlich die Künstler einsehen, dass nur gewisse Farben- 
stimmungen durch diese Goldumfassung wesentlich gehoben werden, dass 
andre sich dagegen völlig neutral verhalten, wieder andre aber dadurch, 
wie durch irgend eine giftige Säure, geradchin zersetzt werden! Ein 
schwärzlich-brauner, angemessen gebildeter Rahmen würde das Bild von 
Behrendsen unendlich heben. 
Bei Biermann hat die classische Richtung insgemein ein mehr de- 
korationsmässiges Gepräge. Eine winterliche Ansicht der Maximuskapelle 
in Salzburg, die er uns diesmal vorgeführt, will nicht sonderlich befrie- 
digen; das Bild hat fast den Anschein eines nur angetuschten Kartons.  
Graeb weiss das Element der Dekoration zur glänzenden dioramenartigen 
Pracht zu steigern. Eine grosse Ansicht von Palermo, die er ausgestellt, 
giebt einen Ueberbliclr über die Stadt, die zur Hälfte in glühender Abend- 
sonne liegt, während die vordere Hälfte schon mit nächtlichem Schatten 
bedeckt ist. Die Sehattenlinie geht horizontal durch das Bild; wir mei- 
nen, wenn wir länger darauf hinblicken, sie sich leise mehr und mehr 
erheben zu sehen. Vielleicht lag ein solcher Effekt, den die wirklichen 
Dioramen freilich wohlfeiler und schlagcndcr zu erreichen wissen, in der 
Absicht des Künstlers. Trotzdem aber ist das Bild mit Meisterschaft und 
besonders in den Fernen mit feinem Gefühl gemalt.  Andre versuchen 
Aehnliches, aber mit schwächeren Kräften. 
Eichhorn malt in der Regel griechische Gegenden und hat uns deren 
auch diesmal vorgeführt. Er liebt kühle, um nicht zu sagen: kalte Töne, 
hat aber Sinn für das plastische Gefüge einer grossartigen Terrainbildung 
und weiss uns die mächtigen Formen der griechischen Natur gelegentlich 
in ansprechenden, ernst gehaltenen Bildern vorzuführen. Ausser den Ge- 
inälden solcher Art hat er auch ein Paar römische Stadtprospekte, An- 
sichten von S. Maria maggiore und des Pantheons, ausgestellt, die in dem 
fast strengen Ernste des Vortrages ebenfalls nicht ohne Wirkung sind. _ 
Gurlitt (den wir seit einiger Zeit den Unsern zuzählen) hat diesmal ein 
landschaftliches Bild von bedeutender Dimension gebracht, eine Ansicht 
des Comersees, bei Fiume-di-late. Man blickt von einem dunkeln, fel- 
sigen Vorgrunde, und zur Seite einer Eichenwaldung hin, auf den See 
hinab, der, sowie die ihn umgebenden Gebirgszüge, in heller Sonnenbe- 
leuchtung daliegt. Gurlitfs plastisch-landschaftlichcs Talent bewährt sich 
auch hier in seiner Meisterschaft, zugleich ist die Lichtwirkung mit grosser 
Schönheit und ltlnergie durchgeführt. Ueberhaupt müssen wir das Ganze 
als eine grossartig bedeutende Conception anerkennen. Der Vorgrnnd 
aber hat, solcher Wirkung gegenüber, nicht Interesse genug (ich meine in 
der Art und Weise der Behandlung), auch dünkt mich hier die Perspek- 
tive, das Hineinrücken der Felspartieen in das Bild, nicht hinlänglich klar, 
4 Max Schmidt hat eine Reihe theils italienischer, theils kleinasiati- 
scher Landschaften ausgestellt. Dies ist ein heiteres, glückliches Talent. 
Ohne im Allgemeinen auf bedeutende Compositionen auszugehen, sich 
vielmehr oft mit sehr bescheidenen Motiven begnügend, wciss er ihnen 
doch dasjenige Behagcn aufzudrücken, welches wir an diesem oder jenem
        

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