Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506370
Barlixler 
Briefe. 
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faltig berechnete malerische Haltung von bedeutender Wirkung ist. So- 
dann befindet sich von Magnus eine Reihe von Bildnissen auf der Aus- 
Stellung, die die vollkommene Schlichtheit. der Naturauffassung mit 
gemessenster, ächt künstlerischer Haltung verbinden. Maguus malt fast 
nur Portraits, aber ich habe selten eins von seiner Hand gesehen, das 
nicht den Namen eines wahren Kunstwerkes verdiente; er entwickelt da- 
bei in Linien, Formen und "fönen den schönsten Rhythmus und er er- 
reicht, ohne scheinbar auf irgend einen besondern malerischen Effekt hin- 
zustreben, doch stets die klarste malerische Harmonie. Wäre er in den 
Gründen noch ein wenig durchsichtiger, wäre das lnearnat auf den Wan- 
gen seiner Gestalten und der in der Regel etwas kühle Schattenlßll (168 
Fleisches noch inniger verbunden, so würde ich keine Scheu tragen, diese 
Bilder den vollendetsten Meisterwerken zur Seite zu stellen. Vorzüglich 
gediegen war diesmal das Kniestück einer schönen Dame (der Frau eines 
hiesigen Künstlers) mit ihrem Töchterchen, und das Bild eines jungen 
Blumenmätlchens, dies letztere voll kräftigen strotzenden Lebens. 
Ein Bild der Ausstellung hatte mich im Vorübergehen durch seine 
sprechende, ob auch herzzerschxieidende Wahrheit und durch seine male- 
rische Kraft lebhaft frappirt. Es stellt eine Bettlerin mit zwei Kindern 
dar, von denen das eine ihr schon wie sterbend im Arme liegt, während 
sie die I-land mit leidenschaftlicher Angst dem Beschauer bettelnd ent- 
gegenstreckt. Ich war jedcsmal zu sehr erschüttert, als dass ich mich 
länger davor aufhalten mochte; ich glaubte, es sei von irgend einem ge- 
tviegten belgischen Meister eingesandt worden. Zufällig schlug ich einmal 
1m Katalog nach und fand nun, dass es von einem Schüler der hiesigen 
Pfkademl?) J. Bäder, gemalt sei; auch hörte ich, der Künstler sei noch 
eljl ganz Junger Mann. Ich will die Wahl des peinigenden Gegenstandes 
mehr gerade als mustergültig preisen; aber es spricht sich in der Ausfüh- 
rung_8lne künstlerische Kraft aus, die zu den grössten Hoffnungen be- 
Techugt" Muge d? Jlfnge Künstler mit Ernst und Treue an seinem Berufe 
festhalten und moge ihm auch diejenige äussere Gunst des Geschickes zu 
Theil werden, die erforderlich ist, damit er seine grosse Aufgabe unver- 
kürzt zu Ende führen könne! 
Lassen Sie uns nunmehr die bedeutenden Stücke tigürlicher Malerei, 
die uns von unsern Düsseldorfer Freunden zugesandt sind, betrachten. 
Voran steht der Direktor der Akademie, W. v. Schadow, mit einem sehr 
grossen Gemälde symbolischen Inhalts. Es stellt den Brunnen des Lebens 
dar: eine Tabernakel-Architektur im mittelalterlich-italienischen Style, 
oben eine Nische mit einer Relief-Sculptur, Maria mit dem Leichnam 
Christi im Schoosse (ohne Zweifel als Symbol der Kirche), darunter der 
Brunnen, der zweimal in Schaalen nicderfällt und nach vorn zu in das 
Gras abtliesst. Von beiden Seiten sind Personen genaht, zu schöpfen und 
zu trinken. Ein neben dem Bilde befindlicher schriftlicher Anschlag be- 
zeichnet die Hauptpersonen auf der rechten Seite als Kaiser Otto der 
Grosse, St. Hieronymus und St. Augustinus, die auf der linken als Dante, 
Michel Angele, Fiesole und Wilhelm von Aquitanien, während der Bauer 
im Vorgrund, der mit seiner Familie das Wasser unmittelbar von der 
Erde schöpft, etwa den Nicolaus von der Flue vorstellen soll, wobei zu- 
gleich bemerkt wird, dass selbst der Säugling (der nemlich an der Brust 
der lVitrtter trinkt) "schon indirekt von der göttlichen Nahrung erhalte." 
Zwischen einer Reihe von Palmen, hinter dem Bau des Brunnens, blicken
        

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