Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500312
Besuch 
Oharlottenhof bei 
Potsdam. 
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Lithograph nicht im Stande, ein Gleiches zu leisten, da man erst nach 
mühsamer Untersuchung die einzelnen Flecken und Lichter zu einem 
Ganzen verbinden kann. 
Es scheint wünschenswerth, dass von mehreren PetzPschen Bildern, 
namentlich von kleineren, Lithographieen angefertigt werden möchten, die, 
wie z. B. seineßtattelmönche, seine Tyroler u. s. w. des Beifalls von 
Seiten des Publikums gewiss nicht entbehren würden. 
Besuch 
in 
Charlottenhof bei Potsdam, Villa 
Kronprinzen. 
(Museum 1834, N0. 2.) 
Hoheit 
des 
Wir verliessen die majestätischen Terrassen von Sanssouci und den 
kleinen zirkelrunden "Teich an deren Fuss, in welchem sich die weissen 
französischen Marmorgötter spiegeln, und wandten uns seitwärts, den Saum 
des Waldes entlang, der sich zwischen Sanssouei und dem neuen Palais 
hinbreitet. Aus den Gruppen der Bäume schimmerte es hier und dort 
schon röthlich hervor; seltsam schweigend lag das japanische Haus da- 
zwischen mit seinen lebensgrossen Statuen. die am Boden vor den Ein- 
gängen kauern, Thee trinken, Musik machen und den Vorübergehenden 
mit ihren ehemals goldenen Gesichtern, mit ihren verzwickten Augen un- 
heimlich anblinzeln. Die alte Zeit und ihre phantastisch barocke Pracht 
war in mir lebendig geworden; es würde mich kaum überrascht haben, 
wenn plötzlich eine Assemblee in Reifröcken und Haarbeuteln gemessenen 
Schrittes den Baumgang herniedergeschwebt wäre. Indess, die Reifröcke 
von damals sind aus der Mode und das Gold auf den Gesichtern der Ja- 
panesen verwittert. Von Andrem jedoch kann man nicht sagen, dass es 
aus der Mode sei: nur ein Paar Schritte ins Freie, und über das fernere 
Gebüsch ragt die stolze Kuppel des neuen Palais mit den drei berühmten 
Grazien, den Kronenträgerinnen, hervor; überall erblickt man hier die 
hohe pflegende Hand, welche diese Denkstätten aus der Zeit des grossen 
Friedrich als stete Mahner für die Gegenwart zu erhalten strebt. 
In der Mitte etwa zwischen den beiden Schlössern führte uns ein Weg 
zur Linken aus dem Walde und dessen ehrwürdigen Schatten hinaus und 
über einen Bach, welcher den Wald auf dieser Seite begrenzt. Die jen- 
seitigen Parkanlagen sind niedriger und offener und verrathen einen jün- 
geren Ursprung. Nach wenigen Schritten erblickten wir bereits, in einiger 
Entfernung, die Villa des Kronprinzen mit ihrem zierlich dorischen Prostyl 
und einer auf leichten Pfeilern fortgeführten NVeinlaube: der Strahl eines 
Springbrunnens funkelte in der abendlichen Sonne. Ein Akaziengcbüsch 
verdeckte auf einige Augenblicke das Bild, um uns beim Her-austreten 
durch ein andres, näher liegendes zu überraschen; wir glaubten uns durch 
einen Zaubeygghlag in ein südliches fröhlicheres Land versetzt, wo bei 
der Anordnung der Wohnungen so Wenig jenes ängstliche Bedürfniss, wie
        

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