Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506157
Berliner 
Briefe. 
6-15 
Eieh e ns 1); sie sollten also nicht bloss als Gelegenheitsurbeiten gelten, 
sie machten Anspruch auf volles künstlerisches Anerkenntniss. Aber die 
Kunstfreunde standen vor diesen Blättern und wussten nicht, was sie 
dazu sagen sollten. War hier irgendwo von Corneliusfscher Compositions- 
weise eine Spur? nur hin und wieder erinnerten einzelne Gestalten, ein- 
zelne Bewegungen an die Art seinesVor-trages; im Ganzen mochte man diese 
Blätter, wenigstens dem Priucip nach, etwa mit Betzsch vergleichen, an 
den ein Paar Compositionen auch auffallend erinnerten. Doch hatte man 
auch bei Retzsch keineswegs diese gänzliche Gleichgültigkeit gegen die 
Bedingnisse der natürlichen l'on-m gesehen. Allenfalls nur die kleinen 
Füsschen der Kämpfer des heiligen Grabes mochten sich ähnlich bei ihm 
vorfinden; so verzwickte Hände, so formlose Gewandungen, wie hier, sind 
in seinen Compositioneu schwerlich enthalten; noch weniger 91], Kopf- 
längen hohe Gestalten, wie sie hier mehrfach vorkommen, oder gar ein 
Tancretl. wie der auf dem fünften Blatt, der die Clorinde tauft, mit einer 
Hüftenbildung, welche allen Gesetzen des nrenschlichemkörpers, zumal des 
männlichen, Hohn spricht.  Sie ZÜrUGll mir vielleicht, mein Freund, dass 
ich über einen so vielfach bewunderten Meister mit solchen Worten zu 
reden wage. Ich bitte, nehmen Sie die Blätter zur Hand und widerlegen 
Sie mich, wenn Sie es vermögen. Und kehrte unsein Raphael nieder 
und wollte uns Arbeiten der Art unter der Autorität seines Namens auf- 
dringen, ich würde sie mit Entrüstung von mir weisen. 
Es konnte nicht fehlen, dass man sich Cornelius gegenüber in einer 
wahrhaft peinlichen Stellung befand. Man athmete wieder auf, als er mit 
Leistungen hervortrat, die endlich der Würde seines Namens entsprachen 
und die es lwkundeten. dass seine eigenthümliche Schöpferkraft doch noch 
ungebrochen _war. Dies waren die Compositionen zu dem sogenannten 
"Glaubensschlldß"? den unser König zum Pathengeschenk für den Prinzen 
von Wales anfertigen liess. Der Schild ist, nach den Zeichnungen von 
Cüfnelllls und nach den Entwürfen von Stüler für die Gesammtan- 
Ordnung und für das Ornamentistische, von A. Fischer modellirt und 
der Bronzeguss von A. Mertens ciselirt; zwölf geschnittene Steine, die 
ihn gleichfalls schmücken, rühren von Calandrelli her. Er ist schon 
vor einiger Zeit an seine Bestimmung abgegangen und war vorher im 
hiesigen Kupferstichltabinet öffentlich ausgestellt. Die Zeichnungen sind 
unlängst im Kupferstiuh und zwar ebenfalls in Umrissen erschienen 2). 
Der Schild hat eine kreisrunde Gestalt. In der Mitte ist ein Medaillen 
mit dem Brustbilde des Erlösers. Von dem Medaillen gehen vier breite 
Bänder, ein Kreuz bildend, aus, die mit kleinen araheskenartigen Cont- 
positionen ausgefüllt sind, Darstellungen von vier christlichen Kardinal- 
tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, denen als vierte etwas willkürlich 
 denn sie gehört einem andern Ideenkreise an  die Gerechtigkeit zu- 
1) Sechs Entwürfe zu Darstellungen aus Tassrfs befreitem Jerusalem von 
P. v. Gornelius. Berlin, bei G. Reimer, 1843. Grnss Querfolio.  z) Ent- 
würfe zu den Bildern, einzelnen Figuren und Arabesken, welche auf dem von 
Sr. Majestät dem Könige Friedrich Wilhelm IV. dem Prinzen von Wales als 
Pathengeschenk übersandten Schilde dargestellt sind, von Dr. Peter v. Curne- 
liuS. Gestochen von A. Hoffmann. Die architektonischen Verzierungen ge- 
stochen von L. A. Schubert. Berlin Verlag von Dietrich Reimer, 1847. Ein 
Textblatt und 6 Knpferblätter im grössten Querfolio.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.