Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500295
Illustrations of 
modern 
sculpture. 
von der englischen erhalten wir eine Ansicht, die allerdings, in Verglei- 
chung mit den Proben andrer Meister, daraus ganz gut festzustellen sein 
dürfte. 
Die Engländer aber sind nicht die Vorkämpfer unter den Künstlern 
unsrer Zeit. Es ist der einzige Flaxman, und wieder nur Flaxman, zu 
dem man unter den englischen Bildhauern gern zurückkehrt, der einen Geist 
voll tiefer, unerschöpflicher Phantasie hat, der seinen Gestalten das Gepräge 
eines eigenthümlich edlen. sittlichen Charakters mitzutheilen weisst Wie 
keiner seiner Landsleute; leider nur fehlt es ihm, was als das zweite im 
künstlerischen Schaffen nothwendig hinzukommen muss, an jener steten 
Hingebung und Treue, die nicht eher rastet, als bis der Gedanke die Form 
gänzlich durchdrungen hat und eins mit ihr geworden ist: seine nur skiz- 
zirten Umrisszeichnungen zu den griechischen und italienischen Dichter- 
fürsten bleiben das Grösste, was er geschaffen. Nicht ohne Bedeutung 
indess ist seine im dritten der vorliegenden Hefte enthaltene Gruppe, Michael 
und Satan; obschon sie einigermaassen an Raphael erinnert und auch nicht 
llinreißht. die eben ausgesprochene Ansicht aufzuheben.  Manche der 
andern englischen Künstler übertreiien ihn vielleicht in der Form; aber sie 
sind im besseren Falle kalt und inhaltlos, im schlimmeren manierirt und 
ailektirt. 
Als der hohe, freilich sehr unerreichte Meister der letzteren erscheint hier 
der sinnlich weichliche Canova mit seinen Statuen der Tänzerin und der 
Venus (die beide bekanntlich in verschiedenen Exemplaren vorhanden sind). 
Aber  ich weiss nicht, ob die so viel und hoch gepriesene „Morbidezza" 
dieses Meisters wirklich als ein Gegenstand ächter Kunst zu betrachten ist. 
Dinge, die in den Prunkgemächern. der Reichen stehen, sind nicht für 
öffentliche Betrachtung und  Beurtheilung da.  
Erst in solcher Zusammenstellung empfindet man das I-Iochwürdige, 
welches den Werken Thorwaldsems innewohnt: rein und heilig, voll 
göttlicher Stille, schreitet seine "Hebe" durch all jene verlockenden oder 
wesenlosen Gestalten. 
Die Ausstattung des Werkes ist, wie gesagt, höchst prachtvoll; der 
Kupferstich ist in zartester Punktirmanier, von den ersten Meistern dieses 
Faches, Finden, Cook, Dyer, Thomson, Fry, Tomkins, ausgeführt. Doch, 
dünkt mich, ist eine solche Manier, so sehr sie das Auge bestechen mag, 
nicht für den Ernst der plastischen Kunst geeignet; sie giebt den Formen 
etwas Unbestimmtes, Wolliges, was sich  wenigstens bei der Darstellung 
'l'horwaldsen'scher Werke  nicht ziemt; für Canova freilich passt sie 
besser. 
Ueberhaupt macht das ganze Werk, in der Art, wie es uns vorliegt, 
auf den ernsteren Sinn keinen angenehmen Eindruck; es ist lediglich dahin 
gearbeitet, den pretiösen Anforderungen des Luxus  des Wurmes, an 
welchem die englische Kunst krankt  zu genügen. Die Merkurstlügel am 
Kopfe des kleinen Genius, der auf der "Pitelvignette das Haupt der Pallas 
Athene abzuzeichnen scheint, sind charakteristisch für den Zweck des 
llcrtuisgcbers. 
Wir können, wenn wir das Treiben fremder Nationen betrachten, manch 
eine gute Nutzanwendung daraus für uns ziehen, u. A. auch für unsre Kunst
        

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