Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506126
Bari 
ehte, 
Kritiken, 
Erörterungen 
ich habe zum Schluss dieser Uebersicht noch ein Paar Bemerkungen 
hinzuzufügen. Der Dilettantismus, der in unsern künstlerischen Unter- 
nehmungen neuerlich eine namhafte Rolle gespielt hat, hat sich seiner 
Natur gemäss auch in der Liebhaberei für allerlei Neues in der Technik, 
in allerlei Versuchen und Spielen mit den änsseren Darstellungsmitteln 
kund gegeben. Aber eben wcil es der Dilettantismus war, so sind auch 
diese, an sich gewiss sehr schätzbaren Elemente, so eifrig man sie im 
Anfang Jedesmal anfasste, nicht mit nachhaltigem Ernste festgehalten und 
Worte ins Ohr flüstert, die mit ihren Kindern sich an der Wiese niedergelassen 
hat und seinem Murmeln lauscht. Die Kinder winden Kränze und plätschern 
in dem Wasser. Die Darstellung dieser Gruppen verschmilzt Ideal und Wirk- 
llclikeit auf sinnige, ächt künstlerische Weise. Wie in den Werken der Antike 
(aber nicht etwa als gelehrte Nachahmung derselben) ist hier, z. B. im Kostüm, 
von den Besonderheiten eines vorübergehenden Cuiturzustandes abgesehen, und 
statt dessen nur das allgemein Menschliche, das allgemein Gültige und Verständ- 
liche aufgenommen, dies jedoch mit vollster Lebendigkeit dnrchgebildet. Es ist 
eine Heiterkeit, eine blühende Anmuth und dabei zugleich eine Frische und 
Naivetät in diesen Gestalten, dass wir uns davon mit eigenthiimlichem Zauber 
gefesselt fühlen. So einfach die Gegenstände der Darstellung sind, so geben sie 
in dieser Behandlung doch das Höchste, was von der Kunst verlangt werden 
kann: das Leben in seiner" edelsten Entwickelung. Die schlichte Aufgabe ist 
hier mit vollkommener künstlerischer Kraft gelöst. 
Wir müssen indess noch einen näheren Blick auf die Art und Weise der 
künstlerischen Behandlung werfen. So einfach die Aufgabe auch war, so ga]; 
es doch, ganz eigenthiimliche Schwierigkeiten zu überwinden. Es kam nicht 
bloss darauf an, die einzelne Gestalt, die einzelne Gruppe für sich mit Leben 
und Anmuth auszuführen, sondern zugleich auch alle diejenigen Rücksichten in 
beobachten, die aus der Stellung und Form des Reliefs und aus der beabsich- 
tigten Gesammtwirkung des Denkmals sich ergaben. Die Gestalten mussten 
kräftig, zum guten Theil im Hautrelief, aus der Fläche hervortreten. Die letz- 
tere musste überall gleichmässig ausgefüllt werden und jede Gruppe mit der 
folgenden in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Dennoch musste die Ansicht 
des Reliefs, von dein man bei der Cylinderform der Fläche immer nur einen 
geringen Theil sehen konnte, für jeden beliebigen Standpunkt ein abgeschlosse- 
nes Bild geben; und hiebei war besonders darauf zu achten, dass die perspek- 
tivisch zuriickweichendeu Gestalten sich überall der Ansicht harmonisch an- 
schlossen. Dies gab eine grosse Menge verwickelter Forderungen, denen nni- 
durch die ausdauerndste Umsicht genügt werden konnte, etwa dem schwierig- 
sten Contrapunkt in der musikalischen Composition vergleichbar, wo von dem 
Oomponisten innerhalb streng vorgezeichneter Gesetze doch der freie Erguss der 
Empfindung verlangt wird. Dass der Bildhauer all jenen, in der Natur seiner 
Aufgabe liegenden Bedingungen genügt und sich für die freie, durchaus unhehin- 
derte Durchbildung jeder einzelnen Gestalt die volle Frische des Geistes bewahrt 
hat, dies macht keinen der kleinsten Vorzüge seiner Arbeit aus. 
In der That sehen wir hier ein Meisterwerk der Bildhauerei vor uns. das 
unbedenklich zu den vollendetsten gehört, die unsre Zeit hervorgebracht hat und 
dessen wir uns demnach mit gerechtem Stolze erfreuen dürfen, Durch diese 
hohe Vollendung aber gewinnt das Denkmal überhaupt erst seinen Werth: wir 
bringen dem Andenken des verewigten Monarchen eine Gabe dar, die nicht 
allein durch den frommen Willen der Stiftung, sondern die zugleich auch da- 
durch ihre Bedeutung hat, dass sie ein Beispiel des Schönsten und Gediegensten 
ist, was wir darzubringen vermögen, dass sie mit dem Aufwaude der vollsten 
geistigen und künstlerischen Kraft, deren unsre Zeit fähig war, ihre Gestalt, ihr 
Dasein empfangen hat." 
(Früherer Artikel des Verfassers.)
        

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