Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505960
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen 
können, die die Erhabeuhcit ihrer Intelligenz zur Schau tragen. Die 
Deutschen können in manchen Dingen äusserst Nützliches von den Fran- 
zosen lernen; aber es giebt auch manche Dinge, in denen sie besser ihre 
eigenen Wege gehen.  
Ich höre hier einen Einwurf. Die Kunst-Akademieen, wird man mir 
sagen, sollen nicht bloss die Kunst-Intelligenz repräsentireu: sie sollen 
sie wirklich enthalten; die Behörden des Staates sollen verpflichtet sein, 
sie als die Organe solcher [Intelligenz zu betrachten; die Behörden sollen 
bei ihrer Verwaltung der Kunst-Angelegenheiten stets nur auf Grund 
der von diesen Organen abgegebenen Gutachten handeln. Alles dies, so 
fügt man hinzu, ist eine um so grössere, bedeutsamere Aufgabe, als die 
gesamrnte Pflege der Kunstangelegenheiten. und vornehmlich die Veran- 
lassung zur Ausführung von Kunstwerken im allgemeinen volksthümlicheu 
Interesse, was bisher zumeist eine fürstliche Gnadensache war, nach den 
Umgestaltungen unsrer Tage wesentlich eine Staatssache wird werden 
müssen. 
Das wäre freilich, all den müssigen Formalitäten, all der eiteln R9- 
präsentation gegenüber, eine sehr würdige Aufgabe, um die es sich schon 
der Mühe lohnen möchte, akademische Künstlervercine zu gründen. Aber, 
so muss ich wieder fragen, haben diese Vereine nach ihren bisherigen 
Verfassungen wirklich das Recht. sich der Erfüllung einer solchen Auf- 
gabe zu unterziehen? Haben sie die volle Befähigung, sich als die Organe 
der Kunst-Intelligenz eines Volkes hinzustellen?  Ich glaube: Nein! Sie 
stehen, wie es mir scheint, auf einer Basis, von der aus kein folgerich- 
tiger Uebcrgang zu jener Stellung zu gewinnen ist. Ihre Verfassung hängt 
wesentlich mit der früheren Theorie des gesellschaftlichen Verbandes zu- 
sammen, die die Ertheilung von Titeln, Würden und Orden als einen 
Ausfluss höherer Intelligenz erscheinen liess; wie sie auch eingerichtet 
sein mögen, es handelt sich bei ihnen stets um das Zufällige eines Ehren- 
titels. Ist die Genossenschaft der Mitglieder auf eine bestimmte Zahl be- 
schränkt, ist mit der Mitgliedschaft gar eine Pfründe, ein Gehalt verbun- 
den, so macht sich die Sache noch am Einfachsten und Klarsten; es wird 
dann um die erledigte Stelle eine lebhafte Bewerbung eintreten, und man 
wird Gelegenheit haben können, den möglichst Ausgezeichneten zu wählen, 
Aber darf vorausgesetzt werden, dass in einer so abgeschlossenen Genos- 
senschaft die Summe der jedesmaligen Kunst-Intelligenz wirklich enthalten 
sei? der Kunst, die ihrer Natur nach stets jung sein muss, bei der die 
junge Meisterschaft oft denselben, oft einen höheren Rang behauptet, wie 
die alte?  Ist die Zahl der Mitglieder unbeschränkt, so kann die 
Wahl sich nach Belieben weiter erstrecken; aber eben nach Belieben, nach 
einem unbestimmten, willkürlichen Gefühle für das Vorzüglicherc. Wer 
giebt den Draussenstehenden eine Bürgschaft, dass die Genossenschaft sich 
nicht allmählig in eine Kotterie umwandelt? dass Künstler, die vielleicht 
ein oder zwei Mal Vortreftliches geleistet haben, hinterher aber erschlaf- 
fen, sich nicht gar eigenwillig gegen neu auftretende Kräfte oderx Rich- 
tungen verschliessen?_ Geschieht die Wahl neuer Mitglieder durch die 
Genossenschaft selbst, so bleibt, wie schon angedeutet, das Missliche und 
Missliebige, das überall entstehen muss, wenn Ehrenrechte aus dem Kreise 
der Geehrten fortgeptlanzt werden. Geschieht die Wahl durch eine höher 
gestellte Behörde, wer giebt Bürgschaft für die richtige Einsicht der 
Letzteren?
        

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