Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505942
Berichte, 
Kritiken 
irtervzngen. 
Ueber die akademischen 
Künstler-Vereine. 
(Gesellschafter 
Beüage 
1848, 
Das Wort "Kunst-Akademie" hat eine schwankende Bedeutung. Im 
Allgemeinen versteht man darunter theils Kunst-Bildurige-Anstalten, theils 
Vereinigungen von Künstlern; aber die wechselseitigen Beziehungen zwi- 
schen diesen beiden Elementcn sind in den verschiedenen Ländern ver- 
schieden. In der alten Akademie von S. Luea zu Rom bildet sich aus 
beiden ein zusammenhängendes Ganzes. In Paris ist die "Akademie der 
schönen Künste", die eine Abtheilung des sogenannten nlnstituts" aus- 
maChl, nur ein geschlossener Künstlerverein und von der dortigen Kunst- 
schule gänzlich geschieden. In London ist die Akademie ebenfalls nur 
ein Künstlerverein, der aber zugleich, aus freiem Antriebe, ein wenig 
Kunst-Ilnterricht ertheilt. In Belgien sind die zahlreichen Akademien", 
und namentlich die grosse Akademie von Antwerpen, im Wesentlichen 
nur Kunstschulen; daneben aber ist dort, und zwar zu Brüssel, in den 
letzten Jahren eine besondere "Akademie der Wissenschaften und Künste" 
errichtet, die als eine Nachahmung des französischen "Instituts" erscheint 
und deren eine Ahtheilunv die Akademie der schönen Künste", wie- 
derum aus einer Künstleräyesellschhft besteht. In den, ober-italienischen 
und deutschen Kunst-Akademieen erscheint die Kunstschule durchweg als 
die Hauptsache; vertreten und verwaltet werden dieselben hier in der 
Regel durch ein von der höheren Staatsbehörde berufencs Collegium von 
Künstlern, das gelegentlich auch durch Nicht-Künstler vervollständigt wird 
und dessen Mitglieder den Charakter von Beamten tragen; in den meisten 
Fällen sind die auf solche Weise eingerichteten Akademicen zugleich be- 
fugt, andern. ausserhalb stehenden Künstlern den Ehrentitel eines "lilit- 
gliedes der Akademie" zu ertheilen. Auch die Akademie von Berlin hatte 
nach ihrer ursprünglichen Verfassung im Wesentlichen dieselbe Einrich- 
tung; seit etwa siebzehn Jahren ist hier aber die veränderte und meines 
Erachtens nicht ganz folgerichtige Bestimmung in's Lehen getreten, dass 
die „Mitglieder der Akademie" selbst die etwaigen neuen Mitglieder zu 
wählen haben. Ich halte dafür, dass. wer Eh renrechte ertheilcn soll, 
nothwendig darüber stehen muss; die Sache gewinnt sonst leicht einem 
ausschliesslichen Charakter und bleibt mannigfacher Anfechtung aus- 
gesetzt.  
Ueber das Wesen der Akademicen als Kunstschulen ist seit funfzig 
Jahren und länger sehr viel gesprochen und geschrieben worden. Ich will 
diesen Gesichtspunkt hier bei Seite lassen und nur meine Ansicht über 
die Bedeutung der akademischen Künstlcrvereixie aussprechen. Ich glaube, 
dass die grossen Umgestaltungen unserer Tage, die auf alle Gebiete des 
Lebens ihren Einfluss ausüben, auch sie nicht unberührt lassen können. 
Ich wünsche, dass sie aus den Wehen der Zeit neuverjüngt hervorgehen, 
dass sie statt eines müssigen Schcinlehens ein wahres, wirksames Dasein 
gewinnen mogcn. 
Es fragt sich, welchen Beruf diese, mit einem iitlentlichren Charakter 
bekleideten Künstlerverciniguugen, die wir theils in selbständiger Stel- 
111113, lheils an andere Institute (die Kunstschulen) angelehnt finden, (eigent-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.