Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505898
SGS 
Roland 
ouvrages, 
David. 
Pür 
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dass sie über den Gliedern eines Riesen abgeformt zu sein schienen. 1731 
wurde er wirkliches Mitglied der Akademie mit einer Statue des Simson, 
1782 Mitglied der Akademie zu Lille mit einem sterbenden Meleager, 
einer Statue, die, ohne sclavische Nachahmung der Antike zu sein, doch 
nach David's Urtheil alle Schönheiten der antiken Kunst in sich ein- 
schliesst. In demselben Jahre hatte er sich mit einer Tochter des Archi- 
tekten des Königs, N. Potain, vcrheirathet und eine Wohnung im Louvre 
erhalten. 
In dieser Zeit fertigte er u. A. einige Basreliefs, in denen er, im 
Gegensatz gegen die damalige Richtung seiner Kunstgenossen, zu der an- 
tiken Behandlungsweise des Reliefs, wie sie dieses Kunstfach verlangt, 
zurückkehrte. David giebt bei dem Bericht über diese Arbeiten schla- 
gende, aus der ächten künstlerischen Anschauung hervorgegangene Winke 
über die Bedingnisse des Reliefs. Andre Arbeiten folgten. Im Jahr 1783 
kolossale Medaillons mit den Bildnissen Ludwigs XV., Ludwig's XVL, 
Lenoifs, Dclormes; 1784 die zierliche Figur eines Kindes mit einem 
Schwan für den Park von Fontainebleau und die Büste Feutry's für Lille; 
1786 die prächtigen gigantischen Karyatiden. welche die Facade des "Thea- 
ters Feydeau schmückten. Ausserdem ein höchlichst gerühmtes Relief mit 
den neun Musen für die Gemächer der Königin zu Fontainebleau. 
Dann brachen die Stürme der Revolution herein. Aber die idealen 
Pläne der Gewaltherrscher der Freiheit gaben dem Künstler bald zu neuen, 
eigenthümlich grossartigen Schöpfungen Anlass. Zunächst, im Jahr 1791, 
zu einer kolossalen Gruppe, das Volk darstellend, welches den verhassten 
Föderalismus zu Boden schmettert. 1792 folgte, im Auftrage des Convents, 
die Ausführung des Denkmals eines der Freiheitsmärtyrer, Simonneauüs, 
liIaires von Etampes, und die einer mächtig kolossalen allegorischen Sta- 
tue des Gesetzes, für die Vorhalle des Pantheons. Diese war nur in Gyps 
ausgeführt. nBeim Anblick dieser edlen und strengen Gestalt (sagt David) 
war es unmöglich, sich eines religiösen Gefühles zu erwehren; Alles an 
ihr athmete den Frieden der Majestät; mit der vollendeten Durchführung, 
mit der zarten Behandlung des Nackten stand die Schönheit und der Reich- 
thum der Gewandung nur im Einklang." Für die Vorhalle des Pantheons 
fertigte er ausserdem, in Stein, ein Relief symbolischen Inhalts, die neue 
Rechtspflege darstellend. Im vierten Jahre der Republik, bei Gründung 
des nlnstituts", wurde Roland einstimmig zum Blitglied der Klasse der 
Künste erwählt. Wieder andre Arbeiten folgten, zunächst die reizvolle 
Statue einer Bacchnntin, dann eine Reihe von Büsten: Pajou, Ruyter. 
Lcsueur, Cambaceres, Laboissiere, Chaptal u. s. w., endlich die Büste 
seiner Tochter, ein Werk so hoher Meisterschaft, dass David dasselbe 
geradehin als das Hauptwerk seines Lebens bezeichnet. Was David bei 
dieser Gelegenheit über die Kunst der Büsten im Allgemeinen, über die 
Pflicht des Künstlers sagt, hier den besondern geistigen Gehalt eines Men- 
schenlebens in die Erscheinung treten zu lassen, dürfte vorzugsweise von 
seinen eignen Büsten gelten, unter denen einzelne, wie die von Beranger 
und Victor Hugo, gerade in solcher Beziehung so eigenthümlich ausge- 
zeichnet sind. 
Ebenfalls höchsten Ruhmes würdig ist Rolands Statue des Homer, die 
er im Jahr 1802 ausstellte. Der Dichter ist sitzend dargestellt, die Lym 
in seinen Ilänrlen, der Wanderstab neben ihm. Kränze Z" Seim?" FüSSen. 
Die Statue befindet sich gegenwärtig in Minen der Meisterwerke franzö-
        

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