Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505856
läerliuer 
Kalender 
61.3 
Berliner Kalender für 1848. Zweiundzwanzigster Jahrßang. M]; 
7 Stahlstichen. Berlin, Verlag von Karl Roimarus (Gropiusfchc Bußh- 
und Kunslhandlung). 
(Kunstblatt 
134a, 
Der neue Jahrgang des Kalenders bringt uns in seinen Stahlstichen 
artistisch interessante Darstellungen, die nächst dem Titelbildc, dem Por- 
trait des Prinzen Friedrich von Preussen (Sohnes des Prinzen Carl) nach 
einem Bilde Krüger's von 'I'eichel gestochen, der jüngsten 'l'hätigkcit der 
Architekten Berlins gewidmet sind. Besondre Wichtigkeit für die höhere 
künstlerische Richtung der letzteren hat zunächst das perspectivisehe Bild 
der kürzlich neugegründeten St. Petrikirche zu Berlin, die, in Folge einer 
von der städtischen Behörde besonders ausgeschriebenen Concurrenz, nach 
den Entwürfen des Professors Straek und unter seiner Oberleitung ge- 
baut wird. Die Bedürfnisse des evangelischen Gotteshauses und das Be- 
dingniss des unserm Norden eigenthümlichcn Backsteinmaterials haben hier 
die wesentlichen Motive für Anlage, Composition und Ausbildung des 
Einzelnen gegeben. Die künstlerischen l-lauptformen sind, solchem Zwecke 
entsprechend und ohne sclavische Abhängigkeit von bloss traditioneller 
Vorschrift, die des Spitzbogenstyles; das Ganze steigt in ernster, gehal- 
tener Kühnheit empor. Der Bau, der ungesäumt zu Ende geführt werden 
wird , dürfte (zumal bei dem grossen Einflüsse, den Herr Strack auch als 
Lehrer seines Kunstfaches ausübt) für den Entwickelungsgang der hiesigen 
Architektur eine sehr erhebliche Bedeutung gewinnen.  Andre Darstel- 
lungen beziehen sich auf diejenigen grossen Anlagen ausserhalb Berlins, 
durch welche die Stadt an den unteren Spreeufern weiter in das Land 
hinausgeführt wird. Schon der letzte Jahrgang des Kalenders hatte hie- 
von ein Beispiel gebracht, indem er eine Darstellung der von Straek aus- 
geführten Gebäudcgruppe der llaczynskfschen Gemäldegallerie und der 
mit dieser verbundenen Künstlerlokale, am ehemaligen Exerzierplatze vor 
dem Brandenburger Thore, enthielt. lhnen hat sich neuerlich eine um- 
fassende Gruppe stattlicher Privatgebäude angeschlossen, unter denen be- 
sonders die von dem läaurneister F. llitzig ausgeführten durch die elas- 
sisehe Würde ihrer Formen das Gepräge ächt künstlerischer Gediegenheit 
besitzen. Diese Attlngen befinden sich auf dem südlichen Spreeufer. Am 
nördlichen beginnen sie zunächst der Stadt mit den weiten Baulichkeiten 
des Hamburger Eiscnbahnhofes. Etwas weiter hinab folgt das, nach dem 
Plane des Geh. Oberbauraths Busse erbaute kolossale Mustergefängniss, 
dessen Umfassungsmatier einen Flächenraum von 16'l2 Morgen uinschliesst. 
I-lievon bringt" der diesjährige Kalender eine malerische Ansicht, die frei- 
lich. bei dem kleinen Maassstabe des Blattes, nur in allgemeineren Zügen 
ein Bild des ernsten kastellartigen Charakters der Anlage geben kann. 
Wieder etwas weiter hinab erhebt sich der ebenfalls mächtige Bau der 
neuen Garde-Uhlanen-Kaserne mit ihrer Zinnenbekrönung und den thurm- 
artig aufsteigenden Pavillons. die uns ebenfalls in einer Ansicht vorge- 
führt wird. Limnittelbar an die Kaserne schliesst sich die vorstädtische 
Kolonie Moabit an, die vor noch nicht langer Frist das Gepräge eines 
schlichten Ackerdörfchens hatte, neuerlich aber zu einem ansehniichgn
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.