Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505650
Veranlassung 
zur Ausführung 
Kunstwerken 
VON 
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vorübergehender Darstellung dagegen, wo das einzelneuWei-k, um 
zur Erscheinung zu kommen, stets aufs Neue reproducirt werden muss, 
berühren sich diese beiden Gesichtspunkte zum Theil sehr nah. 
ZurAusführung von Kunstwerken der erstgenannten Kunst- 
gattnng ist im Inlande seither auf Veranlassung der Beherrscher des 
Staates Vieles geschehen und sind namentlich gegenwärtig durch die Gnade 
Sr. Majestät des jetztregierenden Königs sehr bedeutende Unternehmungen 
veranlasst worden. Königliche Parks (die mit hoher Liberalität dem Volke 
eröffnet werden) und eigentliche Volksgärten, Pracht-Architekturen man- 
nigfaltiger Art, Sculpturen an öffentlichen Gebäuden und solche, die die 
Bedeutung eines selbständigen Denkmals haben, Staffelei-Gemälde und 
grossräumige Wandmalereien in Kirchen und andern Gebäuden, theils aus 
der jüngern und jüngsten Vergangenheit herrührend, theils noch in der 
Arbeit begriffen, bezeugen dies hinlänglich. In einzelnen Fällen ist diesen 
grossartigen Bestrebungen auch schon durch Communen, Vereine und ein- 
zelne vermögende Privaten naehgeeifert worden. 
S0 erhaben und höchst dankenswerth indess diese Unternehmungen 
sind. so darf hier, wo es sich um eine Anschauung der iidentlichen Kunst- 
angelegenheiten in ihrer Totalität handelt, doch die Frage verstattet sein: 
ob und in wie weit den einzelnen, Allerhöehster Gnade entspringenden 
Veranlassungcn gegenüber nicht auch solche zu berücksichtigen sein dürften, 
die in einer eigentlich normirten Weise, in einer gewissen stetigen Folge 
ins Leben träten und die somit zur vollkommenen, wahrhaft durchgreifen- 
den Einwirkung der Kunst aut' das Volk und zur dauerhaft liebenden För- 
derung der Kunst selbst noch anderweitige Garantieen darböten; oder in 
andrer Fassung: 0b und unter welchen Beziehungen die Beschaffung von 
Kunstwerken als ein allgemeines öffentliches Bedürfniss aufzunehmen und 
nach bestimmt dumhäreifßlldem Plane, wenn natürlich auch nur in allmäh- 
1iger, von" den äusseren Umständen bedingter Folge, zur Ausführung zu 
bringen ware. 
Die Architektur wird hiebei im Allgemeinen weniger zu berück- 
sichtigen Sein, Sofern der Zweck des Architektur-Werkes, auch wenn es der 
höchste geistige ist, sich doch jedesmal aus dem einzelnen Lebensbedürf- 
niss ergeben muss und dieser Einzelzweck jedesmal die Seele des Bau- 
werkes ausmacht. Allgemeine Principien in Betreff einer Veranlassung 
aus eigentlich künstlerischen Rücksichten werden hier also vom Staate 
nicht befolgt werden können. Aehnlich verhält es sich mit der Garten- 
knnst. Wohl aber ist es Aufgabe der Staatsverwaltung, dahin zu wir- 
ken, dass überhaupt bei den baulichen und landschaftlichen Anlagen, die 
auf Veranlassung des Staates ausgeführt werden, das Element der Schön- 
heit (der edeln Gestaltung) die den jedesmaligen Umständen entsprechende 
Berücksichtigung finde. Soviel bekannt, wird diesem Punkte gegenwärtig 
auch von den betreffenden Staats-Behörden überall besondre Sorge ge- 
widmet. 
Die Veranlassung von Werken der Sculptur und Malerei dagegen 
ist freier und geht mehr, so individuelle Bedingungen hier auch das Ein- 
zelwerk haben möge, aus allgemeinen Bedürfnissen hervor. Hier machen 
sich grosse volksthümliche Interessen geltend, denen die Kunst nicht bloss 
zum Ausdruck zu dienen vermag, die sie vielmehr zugleich zu kräftigen, 
zu läutern, selbst dem Volke zum Bewusstsein zu bringen alle Fähigkeit 
hat und denen gemäss sie daher vom Staate gefördert zu werden aller-
        

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