Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505584
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Die 
als 
Kunst 
Gegenstand 
der Staatsverwaltung. 
höheren Standpunkte aus. Durch das Gesetz vom 11.Juli 1837 "zum 
Schutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen 
Nachdruck und Nachbildung" ist jedoch für alle Fälle das Recht des er- 
findcnden Meisters gesichert und somit die höhere geistige Bedeutung der 
Kunst auch für die äusseren Verhältnisse des Verkehrs festgestellt. 
Die gesetzliche Bestimmung kann unter Umständen aber auch zur 
hemmenden Fessel für die Freiheit des künstlerischen Schaffens werden, 
und es dürfte in solchen Fällen in Erwägung zu nehmen sein, inwieweit 
jene in dem Wesen der allgemeinen Bedürfnisse begründet ist. Hieher 
werden die etwanigen Conflikte gerechnet werden müssen, welche sich, 
namentlich in Betreff der Architektur, zwischen derAusführung künstlerischer 
Compositionen und den gesetzlich bestehenden p oliz eilich enEinrichtun- 
gen ergeben können. Wenn die romantische und wegen ihrer Naivetät wenig- 
stens dem künstlerischen Auge so wohlgefällige Unordnung mittelalterlicher 
Städte mit den heutigen Lebensverhältnissen nicht mehr in Einklang zu brin- 
gen ist, so ist.doch die Frage erlaubt, ob die heutigen polizeilichen Bedürf- 
nisse unbedingt zu der gesammten Nüchternheit der heutigen Städtischen 
Bauweise haben führen müssen, und ob nicht ein gewisser Grad grösserei- 
Freiheit in der architektonischen Gomposition mit jenen Bedürfnissen ver- 
einbar sei. Als charakteristisches Beispiel dürfte in diesem Betracht der 
Erkerbau (statt der für unser Klima wenig geeigneten Anlage von Balkons) 
hervorzuheben sein. Im Erdgeschoss wird die polizeiliche Ordnung aus 
guten Gründen keinen Erker verstatten: die Gründe gegen die Anlage 
desselben in den oberen Geschossen dürften aber vielleicht nicht so el-_ 
lieblich sein, als hiedurch das Innere der Wohnungen an behaglichem 
Comfort, besonders aber das Aeussere derselben an künstlerischer Schön- 
heit, die gesammte Strassen-Architektur an Mannigfaltigkeit und lebendi_ 
ger Charakteristik gewinnen könnte.  
Ferner werden zur Beförderung des artistischen Betriebes diejenigen 
technischen Kunst-Anstalten wesentlich beitragen, die der Staat 
theils für ihm vorbehaltene eigenthümliche Zwecke, theils als Mustcrbei- 
spiele für den Privatbetrieb und zur Anregung desselben einrichtet. Dies 
sind namentlich solche Anstalten, in denen das materiell technische Ele- 
ment als ein besonders umfassendes oder schwer zu bewältigendes er- 
scheint, deren Leistungen somit eine gediegene Vollendung nur bei Auf. 
wendung bedeutender Mittel und bei einer von der Willkür-Herrschaft der 
Mode unabhängigen Stellung erlangen und bewahren können. 
Hieher gehören zunächst, als im lnlande vorhandene Anstalten: die 
K önigl. Münze, die nicht bloss dem Gclde ein künstlerisches Gepräge 
giebt, sondern auch selbständige Kunstarbeitcn (Medaillen) liefert und 
hiebei durch die ihr zu Gebote stehenden umfassenderen technischen Ein- 
richtungen unterstützt wird;  die König]. Porzellan manufaktur, 
die in artistischer Beziehung einerseits für die geschmackvolle Form ihrer 
Produkte sorgt, andrerseits mit einer Anstalt für Porzellanmalerei. und 
zwar sowohl für die einfachsten wie für die künstlerisch durchgebildetsten 
Arbeiten verbunden ist;  die hiesige König]. Eisengiesserei, die 
neben den allgemeinen technischen Leistungen, zu denen sie vorzugsweise 
bestimmt ist, zugleich Kunstarbeiten (namentlich Arbeiten dekorirender 
Kunst) von so ausgezeichneter Vollendung geliefert hat, dass dieselben 
noch von keiner andern Nation ühertroden sind. 
In Bett-elf anderer Kunstfächer sind Anstalten zum Behuf bcsondrer
        

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