Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500238
Panorama. 
und 
Diorama 
und enthält eine Aussicht aus den versandeten ltiesensäulen des Hypostyls 
auf den weiten Vorhof mit seinen Säulengängen und den Thurmbau der 
Pylonen. Dies ist einer von den Gegenständen, für welche das Diorama 
recht eigentlich geschailen scheint: keiner andern Darstellungsweise kann es 
gelingen, diesen unmittelbaren Eindruck der architektonischen Masse auf 
den Beschauer hervorzubringen; wir fühlen uns körperlich versetzt an den 
fremden Ort, während bei Betrachtung eines gewöhnlichen Architektur- 
bildes die Thätigkeit unsrer eignen Phantasie nur zu sehr mit in Anspruch 
genommen wird. Das Bild ist trefflich im Effekt und gut in der Farbe, 
nur dünkte es uns, als ob wir immer noch Luft vermissten.  Wenn uns 
hier das Riesenwerk einer räthselhaften Vorzeit vorgeführt wird, wie es 
jetzt dem Reisenden genübersteht, wenn wir die furchtbare Macht des San- 
des der Wüste, der die Säulen bis an das Kapitäl vergraben hat, sehen und 
neben jenen ungeheuren Architekturstücken die schlechten, verfallenen 
Hütten ärmlicher Beduinen, und wenn das Alles einen malerischen Effekt 
allerdings begünstigt; so wäre es auf der andern Seite doch ebenfalls 
nicht ohne Interesse, das Diorama versuchte es einmal, mit den mannig- 
fachen Mitteln der Illusion, die ihm zu Gebote stehen, uns in die Vor- 
zeit selbst zurückzuführen,  wir meinen, eine Restauration denkwür- 
diger Orte in ihrer alten Herrlichkeit zu geben. Die Akropolis von Athen 
z. B. würde ein treftlieher Gegenstand für solche Darstellung sein: die 
Propyläen mit ihren Vorbauten, die Mauern über dem Felsenhang, der 
hohe Tempel des Parthenon, die riesige Statue der Athena Promachos, 
u. s. w.  welche ergreifenden Bilder sind dies, und wie malerisch 
baut das Ganze sich empor!  Die gothische Kirche nach Schinkel, von 
den Strahlen der aufgehenden Sonne umleuchtet, die vor längerer Zeit im 
Diorama aufgestellt war, ist ein ähnlicher und sehr glücklicher Versuch, 
uns in vergangne Zeiten zurückzuversetzen, der aber nur aus der Phan- 
tasie des Künstlers, ohne bestimmte geschichtliche Beziehung, hervorge- 
gangen war.  
Die jüngst aufgestellten, mit Fleiss und Umsicht gearbeiteten Pano- 
ramen von Sacchetti enthalten ebenfalls mannigfach Sehenswerthes, 
z. B. einen treftlichen Ueberblick der Gegend von Silistria und eine Durch- 
sicht durch Pompeji, in deren stillen Strassen man immer auf's Neue gern 
verweilt. In einigen andern Bildern sind Lichtetfekte von grosser Wirkung 
angewandt, so in demjenigen, welches einen Nicderblick in den Krater 
des Vesuv darstellt; man sieht die glühende Lava drinnen brodeln, die 
eben den Rand des Kessels übertreten will und glühende Steine wie Leucht- 
kugeln in den weissen Bauch emporwirft.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.