Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505533
Oeßentliche 
Lehr- 
Bildungsanstalten 
und 
die 
Kunst. 
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einerseits durch den Ueberschuss andrerseits zu decken, also immer so 
viel Zuschauer als möglich heranzuziehen. 
Ein frisch bewegter Handelsvcrkehr, eine ertindnngsreiche mercamilg 
Specnlation gehören zu den Aeusserungen eines rüstigen, gedeihlich sich 
entwickelnden Volkslebcns; auch auf die artistische Prodnction haben sie 
ihr wohlbegründetes Recht. Der Staat, der überall den Handel schirmt 
und fördert, wird somit auch dem Kunsthandel und Allem, was mit ihm 
verwandt ist, seine Gunst nicht entziehen können, und dies um so weni- 
ger, als dadurch für die vermehrte Prodnction selbst so viel Gelegenheit 
und Veranlassung gegeben ist. Dem Handel und der Specnlation ist aber 
an dem Werthe des Producirten nur insofern gelegen. als ihnen derselbe 
den grösstmöglichen Gewinn, also die möglichst ausgedehnte und an- 
dauernde Gunst des Publikums, der grossen Menge, sichert. Er ist also 
abhängig von dieser Gunst und führt, als Kunsthandel, rückwirkend auch 
der Kunst dieselbe Abhängigkeit zu. Soweit mithin dieser Einfluss herrscht, 
macht sich dasjenige, was der Menge im Kunstwerk behagt, also das leicht 
Verständliche, das sinnlich Bestechende, Reizende, Erschütternde, vorzugs- 
weise geltend, und die hohe, innerlich sittliche Bedeutung der Kunst ist 
in Frage gestellt. Hier ist einer der wesentlichsten Punkte, wo die Ent- 
artung der Kunst beginnen kann, und hier "entgcgenzuwirkcn, wird dem- 
nach vornehmlich Sorge der Staatsregierung sein müssen. Durch Hinder- 
nisse, die sie dem freien Verkehr in den Weg legte, würde sie allerdings 
nicht einschreiten können; wohl aber ist es ihr möglich, durch die grossen 
und mannigfaltigen Mittel zur Belebung und Beförderung der Kunst, über 
welche sie zu gebieten vermag, die eben angedeuteten Uebel nicht bloss 
grösstentheils aufzuheben, sondern jenen Verkehr selbst in die, von ihr 
begründeten würdigeren Bahnen hineinzuziehen und an ihm einen mitwir- 
kenden Gcnossen zu erwerben. 
Unter Voraussetzung der im Vorstehenden angedeuteter: allgemeinen 
Beziehungen und Verhältnisse sind nunmehr die Punkte, in welchen eine 
lüinwirkung der Stantsverwallilng auf die Kunst xmthwendig oder wün- 
schcuswerth ist, im Einzelnen näher zu betrachten und hiebei eine Ueber- 
sieht der im lnlande vorhandenen Einrichtungen zu geben. 
Gründung 
öffentlicher 
für 
Lchr- und Bildungsanstalten 
Kunst. 
die 
Zunächst (erscheint die Gründung ößentlichtrr Lchr- und Bildungs- 
Anstalten für die Kunst von erheblicher Wichtigkeit, da es die Aufgabe 
der Schule ist, durchweg die richtigen, die Würde der Kunst aufrecht 
erhaltenden Grundsätze zu wahren und fertzupiianzeu,  worauf eben die 
Staatsverwaltuug vor Allem ihr Augenmerk zu richten hat,  und die 
gcsammte, so schwierige wie umfassende technische Durrhhildung des
        

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