Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505525
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Kunst 
Die 
als 
Gegenstand 
der 
Staatsverwaltung. 
Die Kunst 
in 
Verhältniss 
ihrem 
Zllf 
Speculaiion. 
mercantilen 
Ein andres allgemeines Verhältniss, welches für die Behandlung der 
Kunst von Seiten der Verwaltung ebenfalls sehr bedeutende Wichtigkeit 
hat, betritft ihre, je nach den verschiedenen Fächern verschiedenartige 
Fähigkeit, einen Gegenstand der mercantilen Speculation zu bilden. Es 
ist nöthig, die Art und Weise, wie dies Verhältniss sich in den einzelnen 
Fällen gestaltet, ebenfalls näher anzudeuten. 
Bei der Architektur und Gartenkunst tritt im Allgemeinen, und 
namentlich bei den Werken von höherer künstlerischer Bedeutung, der 
Gesichtspunkt der Speculation nicht hervor. Nnr in einzelnen unterge- 
ordneten Fälleir kommen hier besonders Bauwerke. welche dem gemeinen 
Bedürfniss dienen, in Betracht.  Das gesammte Kunsthand werk findet 
dagegen in der mercantilen Speculation eine wesentliche Stütze.  Die 
architektonischen und gartenkünstlcrischen Entwürfe können vervielfäl- 
tigt werden; sie haben aber kein Interesse für das allgemeine Publikum, 
sondern nur für den kleineren Kreis der Kunstverständigen, namentlich 
der Techniker von Fach. 
Das Werk der Sculhtnr kann Gegenstand des Kunsthandels werden. 
Es liegt indess in der Natur der Sache, dass dies einestheils nur Origi- 
nalwerke von kleinerer Dimension, anderntheils die Abgüsse von solchen, 
in Metall und vornehmlich in Gyps, betritTt.  Im Fache der Malerei 
bildet das Staffeleigemälde, namentlich das kleinere, einen schon ausge- 
dehnten Gegenstand des Handels. Kupferstich, Holzschnitt, Li- 
thographie u. s. w. sind insgemein ganz auf den Handel angewiesen.  
Die Originalwerke, in der Sculptur und in der Malerei, werden schon 
nicht selten zum Behufe der Vervielfältigung, also der Speeulation, 
b e s t e 1 l t. 
Als eigenthümliche Anstalten, die, wenn sie auch insgemein nicht 
zum Behufe der Speculatiou gegründet sein wollen, doch das Element; 
derselben nicht abzuweisen vermögen, sind hier die Knnstvereinc an- 
zuführen. Die Speculation erscheint in ihnen in der Gestalt der Lotterie. 
In der Musik bildet die, durch den Druck vervielfältigte Compo- 
sition einen sehr umfassenden Handelsgegenstand, wenn gleich derselbe 
immer nicht das gesammte Publikum, sondern nur den Musiker von Fach 
und den kunstgeübten Laien interessirt.  Die Musik-Aufführungen sind, 
sehr häufig wenigstens, Unternehmungen, bei denen das Element der Spe- 
culation mehr oder weniger vorherrscht. 
Das Werk der Poesie ist, als gedrucktes Buch, ein für das allge- 
meine Publikum bestimmter und geeigneter Handelsgegenstand; das Publi- 
kum desselben ist demnach sehr bedeutend und um so grösser, das Werk 
mithin der Speculation um so mehr unterworfen, je mehr dasselbe auf die 
blosse Lectüre berechnet ist. 
Auf die dramatischen Aufführungen endlich wirkt das Ele- 
ment der Speculation in der Regel ebenfalls in sehr erheblichem Grade 
ein. Theils sind dies Unternehmungen, die geradehin auf den Gewinn 
für den Unternehmer berechnet sind, theils ist der Unternehmer, auch 
wenn er auf reinen Gewinn verzichtet, bemüht, die bedeutenden Kosten 
der Aufführung so viel als möglich durch die Einnahme, und den Ausfall
        

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