Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505496
Uabersicht der Kuns tfächer. 
579 
von ihrer liehen geistigen Bestimmung abgesehen und nur mehr jenes 
Aeusserliclie an ihnen, wo zunächst die Entartung beginnt, gepflegt Wo 
dagegen der Kreis der Künste als ein Ganzes von nothwendiger innerlichel- 
Gliederung ins Leben tritt, da muss auch alles Einzelne, selbst das scheinbar 
Zufällige und Spielende, selbst dasjenige, was ganz durch ällsserlichen 
Zweck bedingt zu sein scheint, seiner höheren Aufgabe treu bleiben. 
Die folgenden Bemerkungen sind dazu bestimmt, unter einer Auf- 
fassung wie die eben angedeutete und mit besondrer Bezugnahme auf die 
im preussisehen Staat vorhandenen Verhältnisse eine Uebersicht derjenigen 
Gesichtspunkte zu geben, in denen die Kunst als Gegenstand der Staats- 
verwaltung, die Fürsorge der letzteren in Anspruch nehmend, erscheint. 
Ucbersicht 
der 
Kunstfä cher. 
Nach der verschiedenen Weise, in welcher die Kunst ins Leben tritt 
oder das Kunstwerk vorgeführt wird, unterscheiden sich diebbeidenhHaudpt- 
Gattungen: der Künste von dauernder und der von vorü erge en er 
Darställu ng. 
Als Künste von dauernder Darstellung sind zunächst zu nennen: die 
Architektur (in jener weitesten Bedeutung des Wortes, welche das 
"Kunsthandwerk" mit eiuschliesst und für welche von neueren Schrift- 
stellern der Ausdruck "Tektonik" angewandt ist) und die Garten-Kunst. 
Beide Künste stehen, in Betreff ihrer räumlichen Erscheinung, in häufiger 
Wechselwirkung miteinander. Beide schliessen sich dem einfachsten, ur- 
gprünglichen Lebensbedürfniss an und umfassen das Leben in seinen 
Weitesteilig läezifeliungän; beide sind fähig und berufen, einerseits dem gey- 
meinen e ür niss ie möglichst edle Gestalt zu geben, andrerseits vom 
gemeinen Bedürfniss unabhängige Werke in idealer Behandlungsweise zu 
schaffen. 
Ferner gehören hieher die Künste der Sculptur und der Malerei 
mit ihren Nebenfächern. Dies sind wesentlich selbständige und ideellen 
Zwecken dienende Künste, wenn schon sie geeignet sind, mit den oben- 
genannten auf eine oder die andre Weise in Verbindung zu treten und 
sich namentlich auch dem "Kunsthandwerk" als Dekoration anzuschliessen. 
Zu den Künsten von vorübergehender Darstellung gehören vorzugs- 
weise die Dichtkunst und die Musik. Der Zweck beider ist ein aus- 
schliesslicli ideeller. Nur in wenigen besondcrn Fällen wird die Musik 
zur Befriedigung eines äusserlich gegebenen Bedürfnisses angewandt, _wie 
beim Tanz oder beim Marsch und wie  was hier als dasungleieh Wich- 
tigere hervorzuheben ist  bei der Abhaltung des Gottesdienstes in seiner 
gewöhnlichen, gesetzlich vorgeschriebenen Form. Jede von den genannten 
beiden Künsten schafft entweder für sich selbständig, oder es_tritt ein 
Zusammenwirken beider ein, indem die Musik sich_des dichterisch aus- 
geprägten Wortes als Basis für ihre Schöpfungen bedient.  
Zu eigenthümlicher, höherer Wirkung entwickelinsich Dichtkunst und 
Musik in der plastischen Darstellung ihrer Werke: im recitirenden oder 
musikalischen Schauspiel. Als Hülfskünste dieser plastischen Darstel-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.