Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505454
Berliner Kunstausstellung 
Herbst 
1846. 
575 
sie ihre Zeit ausschliesslich diesen noch im Werke begriffenen Arbeiten 
widmen mussten. 
Doch sind wenigstens einzelne Belege für den seltenen Aufschwung, 
dessen sich die Berliner Bildhauerschule erfreut, vorhanden. Einige von 
Rauch gefertigte Büsten trugen im vollsten Maasse das Gepräge seiner 
Meisterhand. Arbeiten ähnlicher Art von hiesigen Künstlern reihten sich 
diesen an. Das Modell einer Kolossalstatue Winckelmannis von Wich- 
mann war, "bei würdiger Fassung der bedeutenden Aufgabe, durch die 
feine Vollendung der Einzelheiten ausgezeichnet. 
Verschiedene einheimische Bildwerke, zum Theil von jüngeren Künst- 
lern ausgeführt, zeigten ein derberes naturalistisches Streben, als der hie- 
sigen Schule sonst eigen zu sein pflegt. Sehr ausgezeichnet in solcher 
Richtung, Belege ganz eigenthümlicher, meisterhaft entwickelter Talente, 
waren die mannigfach verschiedenen Thiergruppen von W. Wolff und von 
Bürde.  Von einigen deutschen Künstlern in Rom, von Steinhäuser 
und E. Mayer, waren gefällig durchgebildete Marmorarbeiten eingegan- 
gen; doch stand der erstere hierin gegen den naiven Ernst der Naturauf- 
fassung, der seinen früheren Arbeiten einen so hohen Werth gegeben hat, 
leider in etwas zurück. 
Die französische Sculptur, die an sich nicht zu derselben künstleri- 
schen Eutchiedenheit ausgeprägt ist, wie die dortige Malerei, war durch 
einzelne Werke von Dumont , David und Bude repräsentirt. 
Von Geerts in Brüssel war eine nicht uninteressante Gruppe, „Maria, 
als Königin der Engel gekrönt", in einem gewissen mittelalterlich reli- 
giösen Style, wie derselbe in Belgien zur Ausschmückung gothischer Kir- 
chen gelegentlich befolgt wird, auf der Ausstellung befindlich. 
A11 Arbeiten kleiner Sculptnr sind zunächst Abdrücke der von 
Calandrelli nach Zeichnungen von Cornelius geschnittenen Kamcen, ein 
anmuthvolles Elfenbeinrelief von dem Medailleur K. Fischer und ge- 
schmackvolle in Silber getriebene Arbeiten von Netto hervorzuheben.  
In dem Fache der einheimischen Medaillenarbeit (das, soweit es für 
Privatzwecke thätig ist, leider sehr fabrikmässig betrieben wird) machten 
sich besonders die Arbeiten des eben genannten K. Fischer durch ihre 
künstlerische Behandlung bemerklich. S0 zeichneten sich auch die von 
Voigt in München eingesandten Medaillen durch künstlerische Eleganz aus. 
Der tüchtige einheimische Betrieb des Bronzegusses, des Eisen- 
gusses, der Galvanoplastik wurde durch mehr oder weniger umfang- 
reiche, auf der Ausstellung befindliche Arbeiten bestätigt.  Die Berliner 
Glasmalerei zeigte sich in ihren, für den Magdeburger Dom gefertigten 
grossen Glasbildern, wenn auch noch nicht als selbständiges Kunstfach, 
so doch als ein Kunsthandwerk, das wenigstens den Anforderungen eines 
solchen zu entsprechen sorglich bemüht war.  
Der einheimische Kupfer stich ist in fortschreitender Entwickelung 
begriffen und würde bei grosser Aufgabe das Bedeutendste zu leisten im 
Stande sein. Die Arbeiten der Berliner Kupferstecher, Mand el, Lüderitz, 
Fincke u. A. m., die von Steifensand und den beiden Keller in Düs- 
seldorf gefertigten, wurden durch die zu ihrer Seite befindlichen glanz- 
vollen Stiche berühmter Ausländer, wie Calamatta. Bridoux. Tos chi 
nicht verdunkelt.  Die einheimische Lithographie zeigte Leistungen, 
die Alles enthielten, was von diesem Kunstzweige nur verlangt werden 
kann.  Der einheimische Holzschnitt, früher sehr handwerksmässig
        

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