Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505431
Herbst 
Berliner Kunstau sstellung im 
1846. 
573 
Was, im Gegensatz gegen die bisher besprochenen Leistungen und 
Richtungen, die süddeutsche Historienmalerei anbetrifft, so waren 
leider die Schulen von München nur durch ein Paar Künstler vertreten, 
deren auf der Ausstellung befindliche Arbeiten von der Grösse und Ei- 
genthümlichkeit der dortigen Leistungen keine Anschauung gaben. Ein 
grosses Bild von Rahl in Wien, "die Verfolgung der Christen in den 
Katakomben Roms" zeigte ein ernstliches und energisches Streben im 
Sinne der classischen Meister Italiens, das sich von den seit 30 Jahren 
befolgten modernen Tendenzen fern gehalten hat. Von Waldmüller in 
Wien war ein durch seine Naivetät ansprechendes Genrebild eingesandt. 
Unter den Arbeiten, die von den in Rom ansässigen Deutschen eingesandt 
waren, erschien vor Allem ein Bild von Riedel, Halbfigur eines römi- 
schen Landmädchens, durch die lauterste und zugleich in hohem Grade 
eigenthümliche Darstellung des Kolorits, als höchst ausgezeichnet. Auch 
unter den Bildern anderer deutscher Künstler, in denen man die römische 
Schule ausgesprochen sah, war manches Beachtenswerthe enthalten. 
Interessant war es schliesslich, diesen verschiedenartigen Bestrebungen 
deutscher Kunst gegenüber auch den markigen Naturalismus, der gegen- 
wärtig in der französischen Historienmalerei vorherrscht, durch 
mehrere tüchtige Bilder vertreten zu sehen. Hieher gehört zunächst ein 
grosses Gemälde von H. Vernet, das Schlachtfeld irpnrllastings, das, 
schon vor 18 Jahren gemalt und nicht in allen Punkten erfreulich, doch 
bereits im vollsten Maassc jene Entschiedenheit der Autlassung, jene Energie 
in Darstellung und Behandlung besitzt, wodurch Vernet eine so ausserge- 
wöhnliche Stellung in der heutigen Kunst eingenommen hat. Diesem Ge- 
mälde reihten sich andere von Delacroix, Papety, Girardet, Schef- 
fer an, während noch andere zur Beobachtung abweichender und zum 
Theil minder erfreulicher Richtungen der französischen Kunst Gelegenheit 
gaben.  Hieher gehören sodann auch die kleinen Gemälde eines jungen 
deutschen Künstlers, Martersteig aus Weimar, der, früher in Düssel- 
dorf gebildet, später seine Studien unter Delaroche in Paris fortgesetzt 
hat. Das eine dieser Bilder, „die Uebergabe der Augsburgischen Confes- 
nion," war in Gesammtaudassung, feiner Charakteristik, in Haltung und 
Durchbildung so ausgezeichnet, dass es, trotz seines kleinen Maassstabes, 
den._vollendetsten geschichtlichen Bildern, die in neuster Zeit gefertigt 
sind, zugezählt werden muss. Wenn sich hierin ohne Zweifel die vor- 
theilhafte Einwirkung seines Meisters (Delaroche) kund gab, so standen 
die beiden andern Bilder desselben Künstlers (Sceuen aus Luthers Leben), 
die nicht früher gemalt sind, gegen solche Vorzüge erheblich zurück, so 
dass eine abgeschlossene Bildung des Künstlers allerdings noch nicht vor- 
ausgesetzt werden darf. 
Noch ist zu erwähnen, dass auch einige Gemälde figürlichen Inhalts 
von belgischen Künstlern. Hunin, Eeckhout u. A., vorhanden waren, die, 
wenn sie auch nicht den höchsten Rang einnahmen, doch die in Belgien 
vorherrschende kräftige Farbenbehandlung bezeichneten. 
ln den Landschaften, den Seebildern, den Thietstücken 
und architektonischen Prospekten, welche die Ausstellung in be- 
deutender Zahl enthielt, erschien jener allgemeine Reichthum, jene Breite 
des künstlerischen Vermögens noch ungleich bedeutender, als in den 
Malereien von tigürlicher Darstellung. Wirklich schlechte oder triviale 
Arbeiten zeigten sich hier nur in äusserst gelmäer Anzahl, Was bei jenen
        

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