Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505323
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen. 
Hirt auftreten und wird als solcher durch den Hirtenstab und den auf den 
Rücken herabhängenden Schattenhut bezeichnet. Im Uebrigen aber trägt 
er das kirchlich typische lange Heilandsgewand, das zum Hirtenleben 
nicht passen will und das hier auch von den Dornen des Busches gezerrt 
wird. Das macht die Darstellung aufs Neue unklar. Die altchristliche 
Kunst, die den Heiland hundertfach als guten Hirten verführt. giebt ihm 
daher auch in gesunder Naivetät stets das aufgeschtirzte Hirtengewvand und 
oft sogar noch die kurze, gegen den Regen schützende Casula. Er trägt 
hier aber auch noch die Dornenkrone und an den Händen die Wunden- 
male, Bezeichnungen, die uns vollends von der eigentlichen Darstellung 
abführen. Das Bild sagt also: "ich bin nicht eigentlich was ich bin, und 
wenn ihr mich anschaut, müsst ihr an etwas Anderes denken, als was ich 
bin." Der Beschauer kann demnach so wenig zur warmen Theilnahnie 
für das Bild an sich kommen, wie sie der Künstler gehabt hat. Dass der 
letztere nicht mit warmer künstlerischer Begeisterung gearbeitet hat, sieht 
man sehr deutlich aus der unentschiedenen, thatlosen Weise, wie der Hei- 
land sich dem Schafe gegenüber verhält, und aus der Unbestimmtheit sei- 
ner Gesichtszüge in Bezug auf Charakter und Ausdruck. Hiebei hilft es 
nichts, dass die ganze Darstellung übrigens in allen Einzelheiten und na- 
mentlich in den Details der Gewandung des Heilands mit seltner Sorgfalt 
und Feinheit durchgeführt ist. Der Zwiespalt zwischen Gedanken und 
Darstellung hat den Künstler um den eigentlichen Erfolg seiner Mühe ge- 
bracht; statt ein reines Kunstwerk zu schalfen, hat er ein religiöses 'l'en_ 
denzbild geliefert.  Der Stich ist vortrefflich und mit sehr glücklichem 
Verständniss durchgeführt. In Betreff der Ausführung gehört das Blatt 
überhaupt zu den besten dieser Richtung. 
hie. 
raP 
Lithog 
(Kunstblatt 
1846, 
1) Christus am Oelberg. Das Origiualgemälde befindet sich als Altar- 
bild in der königl. Garnisonskirche zu Berlin. Gemalt von Karl Begas. 
Lithographirt von Karl Mittag. Verlag von Albert Zabel in Magde- 
burg. Gross Fol. 
2) Die Auferstehung Christi. Das Original, 19 Fuss hoch und 12 
Fuss breit, befindet sich als Altargernälde in der Friedrlch-Werderschen 
Kirche zu Berlin. Gem. von K. Begas, lith. von K. Fischer. Verlag 
von A. Zabel in Magdeburg. Gross F01. 
Begas hat sehr verschiedenartige Stufen in seiner künstlerischen Ent- 
wickelung durchgemacht; man hat bei der Beurtheilung seiner Werke 
mehr als bei denen manches andern Künstlers unserer Zeit den Standpunkt 
zu berücksichtigen, auf dem sie entstanden sind. Das unter Nr. 1 ge- 
nannte Gemälde gehört zu seinen früheren Leistungen. Die Composition, 
im Ganzen und in den einzelnen Motiven, ist allerdings bedeutend, aber
        

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