Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505203
550 
im Jahr 
mstreise 
1845. 
Die letztere Composition gross in Oelfarbe ausgeführt, energisch und 
im Einzelnen wunderschön gemalt; aber dadurch das Ganze, in seiner 
Absiehtlichkeit und allen Folgen derselben, nicht gebessert. 
Andre Gemälde, in denen Kaulbach als ausgezeichneter freier Colorist 
erscheint, voll und kräftig, und nur selten noch etwas süss. Ganz vor- 
treftliche italienische Studien, namentlich ein meisterhaft gemalter Hirten- 
knabe. Bildnisse; besonders schön und gehalten zwei Münchener Künst- 
ler, ganze Figuren im Kostüm des sechzehnten Jahrhunderts, aus einem 
Festzuge. König Ludwig, ganze Figur im Hubertusorden-Kostüm, mit vier 
Pagen (diese leider etwas süsslich). Alles wundervoll gemalt und auch in 
den Stoßen höchst gediegen. 
Sammlung der Porzellangemälde, im Erdgeschoss der Pinako- 
thek. Platten verschiedener, doch nicht sehr grosser Dimension und ele- 
gante Teller. Reiche Folge von Copien, besonders der königlichen 
Sammlungen. Vorzugsweise gelungen die Nachbildungen der strengeren 
Meister, z. B. des schönen Madonnenhildes von Francia. Die Haltung in 
solchen Bildern ist vortrefflich. Auch Einzelnes von mehr malerischer 
Gattung, Giorgionels schönes Portrait. einige holländische Bilder u. drgL, 
ist gut; wiedergegeben. Wo kräftigere kühnere Färbung und Originalität 
der Behandlung naehzubilden waren, wie bei Gemälden von Rubens, ge- 
nügen die Arbeiten viel seltener. Von so grossen Malereien, wie in Sevres, 
ist nichts vorhanden. Die Sammlung soll in die neue Pinakothek kom- 
men und wird dort hoffentlich eine mehr künstlerische Verwendung, wig 
solche bei derartigen Luxnswerken erforderlich ist, erhalten. 
Holzschneide-Anstalt von Braun und Schneider. Viele Proben 
ihrer Arbeit, namentlich zu der grossen Bibel. Die Behandlung in der 
Münchnerisch-stylistischeu Weise (nach neuester, minder einseitiger Art), 
theils durch die Zeichnung, die häufig sogar mit dem Pinsel auf den Stock 
aufgetragen wird, theils eben im Schnitt selbst. Das ganze Institut ist 
wiederum ein charakteristischer Beleg für die Richtung der Münchner 
Kunst. Die Arbeiten sind trefflich und bedeutend in der Gesammtwirkung 
 hier namentlich für den ruhigen Effekt des, von Drucklettern umgebe- 
nen Holzschnittes, aber ohne die höhere, gefühlte Zartheit der Linienfüh- 
rung, während bei uns (in Berlin) die letztere, selbst bis zum Raffinement, 
vorherrscht und die Totalwirkung  wenigstens die des Bildes im Buche  
zuweilen tinberücksichtigt bleibt.  Die "fliegenden Blätter" dienen zur 
fortlaufenden Beschäftigung der Künstler, welche in dem Institut arbeiten.
        

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