Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505168
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Jahr 
Kunstreise im 
1845. 
gegenwärtigen soll. Es sind zunächst kleine orphische Scenen des Argo- 
nautenzuges, monochromatisch (roth auf gelblichcm Grunde), nach Com- 
positionen von Schwanthaler.  Dann eolorirte Umrisszeichnungcn auf 
lichtgrauem Grunde, aus Hesiod, ebenfalls nach Schwanthaler.  Darstel- 
lungen aus den Hymnen H0mer's, nach Schnorr, in der Composition 
vielfach anmuthig, sind wiederum äusserlich dekorativ gehalten, ohne eine 
tiefere künstlerische Befriedigung zu gewähren.  Den auf diese folgenden 
pindarischen Reliefs von Schwanthaler, im Thi-onsaale, reihen sich ana- 
kreontische Compositionen von A. Zimmermann an, matt und angelernt 
in der Erfindung, bunt in der Wirkung.  Compositionen aus Aeschylus, 
nach Schwanthaler, sind meist sehr kleine Bilder, pompejanisch bunt 
aufgebaut, mit einzelnen schönen Figuren, doch zumeist, und besonders 
in der Ausführung, sehr äusserlich behandelt.  Kleine Bilder aus S0- 
phokles, ebenfalls nach Schwanthaler, sind wiederum nur Dekoration, 
wie dergleichen zur Genüge auch an andern Orten geliefert wird.  Mit 
innerem Knnstgefühl und sehr erfreulich, wenn auch ohne durchgehend 
gediegene Meisterschaft, erscheinen dagegen die Bilder aus Aristophanes, 
auch diese nach Sehwanthaler.  Scenen aus Theokrit, nach H. Hess 
und Andern, sind sehr verschiedenartig; Anmuthiges wechselt mit Unbe- 
deutendem und Mattem. 
Die Bilder aus deutschen Dichtern beginnen mit Walther von der 
Vogelweide, von Gassen gemalt; sie sind unbedeutend und sehr aiTektirt. 
 Die aus dem Parcival, von Hermann, sind studirt, mit trockner, aller- 
naiven Frische entbehrender Feierlichkeit.  Die aus Bürgeüs Gedichten 
von Ph. Foltz haben Haltung, ansprechende Naivetät und malerische 
Wirkung. wenn auch in Ton und Gefühl ohne tiefere Energie. Sie nähern 
sich der Düsseldoriischen Richtung an.  Die aus Klopstoek, von Kaul- 
bach gemalt, sind bedeutend in der Composition, doch ohne eigentliche 
Grösse des Styles und ohne Naivetät in der Gewandung.  Darstellungen 
aus Wielands Oberon sind in einem bunt pompejanischen Friese enthal- 
ten; sie rühren von Neureuth er her und sind in dessen bekannter Weise 
componirt, in der Ausführung sehr schwach. Unter dem Friese befinden 
sich andre Scenen aus Wieland, nach Kaulbaclfs Entwürfen, artig 
dekorative Compositionen auf dunkelbraunrothem Grunde, von sehr mässi- 
ger Ausführung, doch gut im Ton.  Darstellungen aus Goethe, von 
Kaulbach, verrathen ein cntschiedenes poetisches Gefühl, aber nicht die 
unmittelbare künstlerische Intuition. In der Gewandung sind sie durch- 
weg schwach conventionell, in den malerischen Elementen sehr massig.  
Darstellungen aus Schiller, theils von Ph. Foltz, theils von W. Linden- 
schmit, sind, bei Mängeln im Einzelnen, einfach edel im Gefühl.  
Darstellungen zu 'l'ieck's Dichtungen, von M. v. Schwind, sind anspre- 
chend und mit innerlicher Poesie durchgeführt. 
lm Obergeschoss des neuen Königsbaues ist noch ein Zimmer anzu- 
führen, dessen Hohlkehle, in pompejanisch bunter Anordnung, kleine grie- 
chische Landschaften, nach Rottmann's Compositionen, die sich als ar- 
tige Dekorationen gcltend machen, enthält. 
ln den unteren Räumen des Festsaalbaues ist eine Reihe von Sälen 
mit Bildern aus der Odyssee geschmückt, nach Schwanthalers Zeich- 
nungen von Hiltensperger gemalt. Auch diese wiederum sind nicht 
sonderlich erfreulich. Die Compositionen sind, dem Gedichte allerdings 
sehr wohl entsprechend, in einer halb idyllisch landschaftlichen Weise
        

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