Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505121
542 
Kunstreise 
Jahr 
1845. 
weg sehr unschöne, schwerfällige, plumpe Gestalten. Einige lebensgrosse 
weibliche Gestalten, nackt, eine Melusine u. dgl. darstellend, waren dazu 
bestimmt, zartes Lebensgefühl im Marmor darzulegen; ich vermisste dabei 
im Ganzen aber die eigentlich hohe, reine Naivetät. Eine Portraitbüste, 
 die des S. Boisseree  zeigte dagegen, bei treftlicher individueller 
Durchbildung, welch schönes Talent Schwanthaler neben jener vorherr- 
schend dekorativen Richtung allerdings auch zur feineren Naturbeobach- 
tung besass, und liess es schmerzlich bedauern, dass dasselbe so wenig 
concentrirt, so wenig zur Herausarbeitung seines Besten gelangt war. 
Die eherne Reiterstatue des Kurfürsten Maximilian I., nach Thor- 
waldsen's Skizze von Matthiae modellirt, ist der Art, wie die in 
solcher Weise gelieferten Werke zu sein pflegen,  gut in Composition 
und Ausführung, und doch ohne innere Frische. Es ist eben etwas 
Langweiliges darin, besonders auch in der trivialen, der letzten Zeit des 
Ritterthums angehörigen Rüstung. Auch das Pferd entbehrt des Aus- 
druckes schöner Energie. Uebrigens hat das (leider ganz kahle) Piedestal 
ein gutes Verhältniss zu der Statue, wie das ganze Monument zu dem 
umgebenden Platze.  
Die Seulptur der gemüthlich religiösen Richtung bethätigt sich in 
einzelnen hemerkeuswertheu Leistungen. Dahin gehören die Sandstein- 
statuen des St. Georg und des St. Michael am Isarthor, von G. Eberhard, 
die, einfach componirt und ohne grossen Styl in der Gewandung, durch 
ein gesundes schlichtes Gefühl ansprechend sind. Dahin auch die Holz- 
seulpturen von Schönlaub in der Au-Kirche, Altäre mit ungefärbten 
Reliefs auf goldnem Grunde, und Tafeln mit den Leidensstationen, gleich- 
falls ungefärbt, doch auf blauem Grunde,  auch diese, ohne sonderliche 
Genialität, in gemüthlieh ansprechender Weise behandelt. 
Mehr Anspruch schon machen die in natürlicher Farbe derb bemalten 
und sinnlich anrnuthenden Statuen Christi und der Maria, in ein Paar 
Seitenkapelleu der Ludwigskirche. Die zahlreichen Beter, die man stets 
vor diesen Figuren erblickt, zeigen, was wirkt. 
Eigenthümliches Interesse gewährte ein Besuch im Atelier des Bild- 
hauers Sch aller. Seine Arbeiten vereinen Naivetät und innig geistvolle 
Behandlung in anziehender Weise. Er hat es auf die Ausführung eines 
ziemlich umfassenden Cyklus von Dichterstatuetten von nicht zu kleiner 
Dimension angelegt. Ich sah davon schon eine namhafte Folge zumeist 
trefflicher Gestalten vollendet. Sein Calderon erschien mir höchst bedeu- 
tend; sein Goethe genügte mir weniger.
        

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