Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505076
Reisenotizen, 
München 
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die Pracht der dekorativen Stoffe immer wirksam, während die grossen 
Iiaüpllinien unter den gewaltsamen Details leiden müssen. 
'Dass das Aeusserc der Allerheiligen-Kapelle aus einer itieht 
sonderlich verstandenen Nachahmung romanischer Bauformen (etwa nagh 
lombardischeu Mustern) hervorgegangen, ist bekannt. Das Innere, mit 
seinem byzantinischen Kuppelsystem. hat eine vortreffliche Durchführung, 
Eine höchst eigenthümliche, fast mystische Wirkung gewinnt das Innere 
darlurch, dass man das Licht der Fenster fast nirgend sieht, während das- 
selbe doch überall auf dem goldglänzenden Grunde der Gewölbe umher- 
spielt und aus diesen die feierlichen Gestalten der Frescomalerei hervor- 
tauchen. Nur die Kämpfergesimse der Pfeiler, von denen die Bögen aus- 
gehen, haben eine zu schwere Ausladung.  
Das Gebäude des Kriegsministeriums, gleichfalls von Klcnze, er- 
innert an die gewaltsamen Formen eines Ammahato. Dagegen spricht der 
Schlosstlügel des Neuen Königsbaues, irn Aeusseren wie im Inneren, 
durch einfache Tüchtigkeit an.  Die vor den Festsaalbau nach dem 
Hofgarten vertretende Loggia ist ein Werk im Style des Palladio, trotz 
ihrer spätitalienischen Formen doch von stattlicher Wirkung. Sie hat 
unten schwerere, oben leichtere Arkaden und vor den Pfeilern der letz- 
tern Säulen mit vorgekröpftem Gebälk, über welchem die acht Gestalten 
der Kreise des Königreiches und auf den Ecken zwei aufrecht sitzende 
Löwen angeordnet sind. Diese Sculpturen stehen in gutem Verhältniss zu 
der Architektur (wobei nur die Löwen etwas Pudclartiges haben). Da- 
gegen ist das Innere der Loggia, im Widerspruch gegen die massigen Ar- 
chitekturformen, mit einer Ueberfülle kleinlicher gemalter Dekorationen 
im pompejanischen Style versehen. 
Im Inneren der Pinakothek bringen die Haupträume, durch ihre 
Grösse und ihr Verhältniss, eine imponirende Wirkung hervor; doch sind 
die Wände für die darin aufgehängten Bilder,  falls diese nicht die 
Grösse von Rubens jüngstem Gericht haben,  zu hoch. Dies besonders 
in Betreff der Voute, deren Goldschmuck ausserdem auf die Bilder drückt. 
Das dabei angewandte Kuppellicht wirkt nicht in seiner vollen Schönheit, 
theils wegen der Weite jener Voute, theils weil es laternenmässig, von 
den Seiten einfällt. Die Seitenkabinette der Gallerie sind, bei dem Drän- 
gen eines irgend zahlreichen Besuches, zu klein. 
Der bronzene Ob elis k auf dem Carolinenplatze hat durch seine mäch- 
tige Grösse (von 100 Fuss) und seinen glänzenden Stoff wiederum etwas 
Imposantes, berührt aber das Auge, das vom Kunstwerke mehr als Masse 
und Stoff verlangt, doch nur in unerquicklicher Weise. Ein würfelförmi- 
ger Sockel trägt an seinen Seiten die Inschriften, die den Zweck des Mo- 
numentes aussprechen, und ist auf seinen Ecken  ich weiss nicht, zu 
welchem Behufc  mit Widderköpfen geschmückt. Darüber erhebt sich, 
durchaus glatt und nichtssagend, die barbarische Obeliskenform, die in 
ihrer primitiven Anwendung bei den Aegyptern, mit Hieroglyphen be- 
deckt und durch ihren Zusammenhang mit der grösseren, gleichartigen Ar- 
chitektur bedingt, doch ein völlig Andres war. 
künstlerische Richtung, die sich in v. Gärtners Gebäuden aus- 
ist etwa mit der von Hübsch m Carlsrulne zu vergleichen. Er hat 
Die" 
spricht,
        

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