Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1505025
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Kunstreise im 
Jahr 
1845. 
tlarstellungen: Taufe Christi und Ausgiessung des heil. Geistes. Im All- 
gemeinen wohlgeordnet und mit einer gewissen classischen Behandlung, 
den alten Italienern sich zuneigend; aber nicht mit tiefem Gefühl für die 
Form und noch weniger mit innerer Begeisterung. l)ie Form, unter den 
übrigens wohl stylisirten Gewändern, nicht selten geradehin verfehlt; der 
Ausdruck zumeist in unerfreulichster Weise stereotyp. Die Farbe sehr 
zahm.  Zweite Kapelle, gemalt von Duval  Geschichten der h. Phi- 
lumena. Nüchtern unberufeue Nachahmung giottesker Fiesolaner.  Dritte 
Kapelle, gemalt von Chasseriau. Geschichten der h. Maria Aegyptiara. 
Hier am meisten naive Kraft, in Form, Ausdruck und Farbe. Einzelne 
Theile in schönem Styl, andre styllos. Wie die Arbeiten eines Talentes, 
aus dem etwas Schönes werden kann, das aber seine rechte Bahn noch 
nicht gefunden hat. 
In St. Germain PAuxerroiS. Ueber einem Armenstork eine Sym- 
bolische Darstellung al frcsco. in welcher Christus als der Empfangende 
dargestellt ist, darüber u. A. Gott-Vater, riesengross, u. s. w. Von M0- 
zette  In neukatholischer Manier, etwas phantastisch, aber mit Energie 
gemacht.  Eine Kapelle mit sehr schwaehfarbigen und auch sonst schwäch- 
lichen Wandmalereien von Aug. Couder. Nicht gerade ein Fiesolaner, 
doch auch nicht viel besser; übrigens mit einem gewissen gelehrten Stu- 
dium, indem z. B. das Gefolge der h. drei Könige äeht orientalisch, nach 
dem Muster der Sculpturen von Persepolis vorgestellt ist.  Ausserdem 
eine Menge verwunderlicher neuer Glasmalereien, die genau den Styl des 
dreizehnten Jahrhunderts copiren. 
Institution roy. des jeunes aveugles (Boulevard des Invalides), 
Die Kapelle dieser Anstalt eine einfache Basilika, mit doppelten Säulen- 
reihen übereinander, flacher Decke, Sanetuarium und Absis. Die Halb- 
kuppel der letzteren wird von Lehmann mit Wachsfarben ausgemalt; 
die monoehrome Untertuschuug war fertig. Christus mit Maria und  
hannes, um die sich die Kinder sammeln; rechts und links unterhalb die 
Gruppen der Apostel; dazwischen zwei Engel, von denen zwei Erwacheude 
emporgetragen werden. Das Ganze ist ernst, würdig und in Ilaltnng, mit 
einem einfach edeln Sinne und ohne conventionelles Wesen dargelegt, 
Vorsprünge und Bogen treten zu den Seiten der Absis vor, die Malereien 
in etwas deckend, womit auch hier (ähnlich wie in St. Vincent-de-Paul) 
ein besondrer Effekt erstrebt zu sein scheint, was aber keine ganz gute 
Wirkung hervorbringt. Vom Gipfel der Kuppel, die letztere stark im- 
leuchtend, fällt ein Oherlieht ein. 
In St. Severin eine der Seitenkapellen von Hippolyte Flaudrin 
mit Geschichten des Evangelisten Johannes ausgemalt, 1840, mit Wachs- 
farben. Links das Abendmahl, Johannes an Christi Brust; darüber JO- 
hannes als Greis auf Patmos. Rechts Johannes, ebenfalls alt, im Kessel, 
viel Volks umher; darüber Christus, der den Johannes und dessen Bruder 
zu Aposteln beruft. Die Bilder sind im Ganzen würdig und ernst, im 
Einzelnen mit sehr glücklichen Motiven; doch haben sie noch bei Weitem 
nicht das Pathos der folgenden. Die Farbenwirkung, bei durchweg ge- 
brochenen Tönen, sehr matt. 
In St. Germain-des-Pres Wandmalereien von Flandrin an den 
Wänden zu Anfang des Chores, ebenfalls in Wachsfarben, auf Goldgrund: 
der Einzug Christi in Jerusalem und die Kreuztragung; darüber, in Ni- 
schen, auf jeder Seite vier Tugenden; darüber Heilige u. dergl. Diese
        

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