Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504995
Reise! 
notizexu. 
Paris. 
529 
Es steht im schönsten Einklange zu der Architektur des Saales. Die Ge- 
stalten sind zwar überlebensgross, drücken aber durchaus nicht, treten 
nicht beängstigend in den inneren Raum herein. Ebenso ist die archi- 
tektonische Dekoration über dem Bilde und zu seinen Seiten, wenn sie an 
sich, im Einzelnen, auch vielleicht in mehr künstlerischer Weise hätte 
durchgebildet sein können, in zweckentsprechend harmonischen Maassen 
ausgeführt. Endlich gewährt, um es an Nichts fehlen zu lassen, das von 
oben hereinfallende Kuppellicht die wohlthuenrlste, so friedlich ruhige wie 
grosse Wirkung. 
Flüchtige Notizen über die Gemälde im Museum des Luxembourg. 
Couder. Der Levit von Ephraim (vom Salon 1817); grossartig davi- 
dlsch.  Adam und Eva (1822); ebenfalls der Richtung David's angehörig. 
Drolli ng. Orpheus und Eurydice (1817); grosses Bild, in akademisch 
pedantischer Manier. 
Delorme. Cephalns von Amor entführt (1822); aus der Ballettcpoche 
der Restauration. 
Court. Cäsafs Tod (1827); grossartig und in vielen Einzelheiten 
mit schöner Classicität. 
Forestier. Christus, einen Besessenen heilend (1827); in theatralisch 
akademischer Manier, aber mit Energie. 
Delaroche. Joas, von Josabeth dem Tode entrissen (1822). Vor- 
treftlicher Anfänger auf akademischer Grundlage.  Tod der Elisabeth 
von England (1827); kolossal; unerfreulich, wirr und haltungslos bei sehr 
grossexn, naturalistisch strebendem Talent.  Die Söhne Eduartfs von 
England (1331) Das Bild in seiner Bedeutung wohlbekannt. Dass der 
unter der Thür hereindringende Lichtschimmer die nahenden Mörder an- 
kündigt, ist eine missliehe Pointe. Die Farbe noch ein wenig tapetenartig. 
Delacrolx. Dante und Virgil, über den Höllenstrom fahrend (1822); 
merkwürdig, doch ohne rechte Haltung.  Scene des Blutbades auf Chios 
(1824); sehr wüst und unerfrenlich.  Algierische Frauen (1834); sehr 
energisch gemalt, doch wiederum ohne sonderliche Haltung. 
Deveria. Geburt Heinrichs lV. (1827); farbenfrisch, aber bunt, sehr 
unruhig, haltungslos. 
Schnetz. Abschied des Boethius von seiner Familie (1827); talent- 
voll roh, mit guter Farbe.  Colbert vor Ludwig XIV. (1827); steifeS 
Kostümbild, ohne Luft.  Scene einer Ueberschwemmung (1834); grßäß, 
sehr kräftiger Naturalismus, und nicht künstlerisch. 
Steuben. Scene aus der Jugend Peters des Grossen (1827); tüchtig 
componirt; in der Behandlung, wie immer, etwas kalt. 
Ziegler. St. Lucas, malend, mit der Erscheinung der h. Jungfrau 
(1830). Ganz vortreftlicher und grossartiger Naturalismus. Die Jungfrau 
etwas quecksilbcrfarbcn.  Giotto im Atelier des Cimabne (1833); bedeu- 
tend. in Colorit und Helldnnkcl nach Art der alten Spanier. 
H. Vcrnet. Schlacht von Tolosa zwischen Spaniern und 1113111611 
(1817); noch, bei vielem Talent, unbequem wirr.  Massacre der Mame- 
luken (1819); gross, doch künstlerisch nicht bedeutend; noch viel schwärz- 
liche Töne in der Carnation; ein halbnackter Albaneser, rechts im Vor- 
Kugler; Kleine Schriften. HI. 34
        

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