Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504957
Reisenotizan. 
Paris. 
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men Herr zu werden. Der künstlerische Gedanke in ihm ist herrlich und 
gross, aber er kann ihm nicht ganz nachkommen: es fehlt doch an voll- 
kommen freier Naivetät in Bewegung des Körpers und der Gewandnng, 
und nicht minder an Lufthauch. Alles das muss natürlich in diesen gros- 
sen Bildern deutlicher hervortreten als in den kleineren. Es ist etwas von 
einem herben trüben Ringen in diesen Bildern, und hierin wohl möchte 
der räthselvolle Tod des Meisters mit zu suchen sein. 
Plafondgemälde über den Sälen des Musee francaise  von 
Alaux, Steuben, Deveria, Fragonard, Heim, Schnetz, Drölling, 
L. Cogniet,  wohl zumeist aus dem Anfang der dreissiger Jahre. In 
"zwiefacher äusserer Beziehung unerfreulich: dadurch, dass man den alten 
Bildern, welche sich an den Wänden befinden, oberwärts gewaltige neu-' 
glänzende Farbenmassen gegenübergestellt hat, und dadurch, dass dies 
fast Alles bewegte dramatische Scenen sind, die in einer solchen durchaus 
vernunftwidrigen Lage dem Beschauer eine wahre Qual bereiten. Aber 
auch abgesehen hieven, haben sie zumeist keinen sonderlichen Werth. Es 
sind offizielle Paradescenen französischer Geschichte, bei denen gelegent- 
lich auch der Künstler gedacht wird, glänzend, kostümrichtig und steif 
ausgeführt. Nur das letzte Bild, von Cogniet,  eine grosse ägyptische 
Genrescene, in welcher Napoleon als der Sammler ägyptischer Alterthümer 
dargestellt ist, hat mehr naives Leben, Haltung und künstlerischen Rhyth- 
mus. Dies Bild schien noch neu zu sein. 
Andre Plafondgemälde über den Sälen des sogenannten "Musee Char- 
les  welches besonders durch die Sammlungen der ägyptischen und 
griechischen Alterthümer gebildet wird. Diese Malereien sind früher als 
jene, aus der späteren Zeit der zwanziger und dem Anfang der dreissiger 
Jahre. Auch sie sind von schwerer Wirkung, die indess bei Weitem 
nicht so unangenehm iSl, als bei der eben erwähnten Reihenfolge, da an 
den Wänden nicht ebenfalls Gemälde befindlich und die Deckenmalereien 
zumeist nicht real genrehaft, sondern mehr symbolisch gehalten sind. Doch 
fehlt es auch hier nicht an einem vorzüglich schlagenden Belege, wie 
widersinnig die Anordnung realistischer Darstellungen ist, die über dem 
Haupte des Beschauers schwebend bangen. Dies ist ein kolossales Bild 
von H. Vernct, welches, wie es scheint, die Blüthezeit italienischer Kunst 
vergegenwärtigen soll: Papst Julius II. mit geistlichem Gefolge, und 
Bramante, Raphael, Michelangelo vor ihm. Es ist im Charakter eines 
tüchtigen Dekorationsbildes gehalten und mit naturlebendiger Energie 
durchgeführt, die es freilich um so mehr bedauern lässt, dass das Bild 
nicht senkrecht steht. Uebrigens lässt sich aus den Plafondgemälden der 
in Rede stehenden Reihenfolge der Entwickelungsgang der französischen 
Kunst aus der David'schen Zeit in die neuere besonders deutlich erkennen. 
Dahin gehört namentlich, im ersten Saale des Musee Charles X., das 
berühmte Deckengemälde von Ingre s: die Apotheose Homers, gem. 1827. 
Vor einem sechssäuligen ionischen Tempel ist ein Podest mit einem 
Throne, auf welchem Homer sitzt. Eine neben ihm stehende Nike krönt 
ihn. Auf den Seiten des Podests sitzen llias und Odyssee. Zu beiden 
Seiten schliessen sich Männerschaaren rhythmisch an: antike Dichter und 
Künstler, einige Neuere aus dem Schlusse des Mittelalters, und vorn, mit 
halbem Leibe sichtbar, französische Meister (die im Gedanken und in der 
Physiognomik freilich einen eigenthümlichen Gegensatz zu den übrigen 
machen.) Das Werk ist grossartig überdacht und componirt, doch in einer
        

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