Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504924
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im Jahr 
Kunstreise 
1845. 
gearbeiteten Leistungen unsrer heutigen Baukunst zu entnehmen war;  
allgemeinen Schönheitssinn, sorgliche Wiedergabe vorgefundenen" schöner 
Formen, künstliche Verwendung mannigfacher Construktionen, und Mangel 
derjenigen naiv grossen Construetion, welche der Grund der Formen ist 
und der Schönheit den lebendigen Körper giebt. 
Hötel de ville. Das Gebäude war ursprünglich nur klein, mit dem 
artigen, jetzt mittleren Theile der Facade, der eine zierliche Entfaltung 
des Renaissancestyles zeigt. Seit 1836 sind die nebenstehenden Häuser 
und Strassen angekauft und mächtige Erweiterungen mit dem Gebäude 
vorgenommen, durch grosse Anbauten und äussere Facaden im prächtigen 
italienischen Style des sechzehnten Jahrhunderts. Zwei neue Höfe in dem- 
selben Style; in der Mitte der ältere in äusserst zierlicher alter Renais- 
sance. Prächtigste Treppen und Reihen von Prunkzimmern und Sälen zu 
grossen Festen, theils schon vollendet, theils noch in der Arbeit. Die 
vollendeten Säle mit verschwenderischer Pracht an Stoffen. Möbeln, Spie- 
geln, Gold und Malereien ausgestattet. Die Malereien im Allgemeinen im 
guten reichen Style der vatikanischen Logen. Das Figürliche darin mit 
energischen, ächt künstlerisch empfundenen Gestalten; das Dekorative, 
Frueht- und Thierstücke u. drgL, in einer vortrefflichen, ernsten Weise 
durchgeführt. Das Ganze ein Beispiel geschmackvoll moderner Pracht- 
dekoration, wie es, nach der Vollendung, wohl schwerlich zum zweiten 
Mal zu finden sein wird:  die siegreiche Darlegung des Reichthums, 
der Opulenz und des Stolzes der Stadt Paris. 
Cirque olimpique, von Hittorf gebaut. Im Innern ein lustiges 
Amphitheater, zeltartig gedeckt, mit leichten Eisensäulchen. Aussen sehr 
heiter griechisch, mit etwas Farbe, die sehr wohl thut. Ansprechende 
Sculpturen, namentlich im Fronton des Einganges von Pradier. Im 
Vestibül schöne Friese im griechischen Styl, mit Reiterspielen. 
Pere- la-Chaise. Grossartigste Nekropolis, prächtig gelegen und durch 
das herrliche Laub wundervoll malerisch, namentlich da, wo die Monu- 
mente schon eine Patina gewonnen haben. Alle Style der modernen Zeit; 
einzelne Monumente ernst und würdig, die berühmtesten indess nicht son- 
derlich schön. Vortreftlich und in einem edeln Style das des Malers 
Gärißallll, dessen Marmor-Statue, von Etex, auf dem Sockel des Gra- 
bes liegt, in der Blouse, die Palette in der Hand. An der Vorderseite 
des Sockels, ein Bronzerelief nach Gericaulfs berühmtem Bilde, der Schiff- 
bruch der Medusa.  Das Denkmal von Casimir Pcrrier sehr unschön. 
Das Architektonische von Leclerc, die Statue von Cortot. Hoher und 
breiter architektonischer Unterbau, mit Pilastern, zwischen denen in der 
Mitte jeder Seite eine Nische. In der Nische der Hinterseite eine Inschrift; 
in den drei andern die Reliefgestalten der Eloquence, Fermete und Justice. 
griechisch stylisirte, aber sehr kurze Figuren. Oben, auf einem kurzen 
Podest die Bronzestatue Porrieüs, viel zu geringfügig für den Unterbau, 
schlecht und formlos vom Mantel umwickelt.  Denkmal des Generals 
Foy, von David. Ebenfalls keine schöne Composition. Hoher Unter- 
bau; darüber ein offnes dorisches Taberuake], unter welchem die Statue
        

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