Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504793
Reisenotizen. 
Frankfurt 
509 
möchte. Sie erreicht in ihrem engen Kreise mehr als manche grosse 
Staatsanstalt mit ungleich grösseren Mitteln und Kräften durchzuführen 
weiss. Namentlich hat die Kunstsammlung des Instituts eine vortreffliche 
und zugleich sehr gefällige Einrichtung; sie ist keineswegs besonders 
ausgedehnt, aber in charakteristischer Weise mit mehr oder weniger guten 
Beispielen für die verschiedenen Ilauptepochen der Kunstgeschichte ver- 
sehen,  Abgüsseu von Antiken, Ilamlzeichnuugen, älteren und 1191161611 
Gemälden. Die in den l-lauptsälen der Sammlung angewandte Beleuch- 
tung von oben bringt die schönste Totalwirkung hervor; sie ist durchaus 
nachahmungswürdig.  
Hier sah ich Lessings Huss (auf dem Concil von Constanz) wieder, 
ungleich besser beleuchtet und besser überschaulich, als ich das Bild auf 
der Berliner Ausstellung gesehen hatte; aber um so mehr auch traten mit 
die Schwächen des Werkes  gegen dessen so bedeutende Vorzüge, wie 
gegen Lessings künstlerische Grössc überhaupt, ich wahrlich nicht blind 
bin  entgegen. Es fehlt der Farbe, dem Ton das eigentliche Mark, und 
noch mehr fehlt es an Luft und Helldunkel; die Gestalten erscheinen flach, 
die hinteren fast wie ausgeschnitten und auf den Grund aufgelegt. Das 
Bild könnte höchst vortrefflich sein und ist in seinem innersten Wesen doch 
nicht eigentlich künstlerisch; es ist sehr geistreich gedacht, fein gefühlt 
und für das Einzelne eine anziehend schöne Darstellungsform genommen, 
aber es ist  wenigstens in seiner Totalität  nicht geschaut. Es giebt 
keinen grösseren Gegensatz, als dies Bild im Verhältniss zu Werken des 
Paul Veronese, dessen Richtung es doch, seiner ganzen äusseren Anlage 
nach, entsprechend sein müsste. 
Overbeck's grosses symbolisches Bild  nder Triumph der Religion 
in den Künsten"  ist unter den Gemälden altdeutseher Schule aufge- 
hängt, mit denen es in Ton und Künstlermaass sehr wohl übereinstimmt. 
In dem Bilde ist viel mehr innere Einheit, als z. B. im Huss; Overbeck 
will nur symbolisiren und wählt dazu ein charakteristisch conventionelles 
Schema, ohne Anspruch auf die höhere 'l'otalität der Natur. Dazu kommt 
sein schöner Linearsinn, der sich hier immer noch erfreulich kund giebt, 
und das sehr ruhige Maass der Farbe. Freilich ist Vieles auch ungenü- 
gend, zu äusserlich couventionell im Farbenton, zu matt in der Bewegung, 
zu nüchtern im Gedanken; doch bleibt es immer nur Einzelnes im Gegen- 
satz gegen das bedeutsame Ganze. 
Ph. Veit's Freskobild  ndie Einführung der Künste in Deutschland 
durch das Christenthum"  ist in der Farbe matt und verschossen; es 
scheint auch nicht mit der naiven Symbolik erfunden, wie Overbecks 
Bild.  Die Cartons von Schnorr zu seinen Fresken in der Villa lldas- 
simi zu Rom, mit Darstellungen aus dem rasenden Roland, sind höChSt 
interessant und für den Beginn der romantischen Richtung unsrer Kunst 
sehr bezeichnend. Sie haben noch ganz die schöne jugendlich naive Gra- 
zie, der man diesen oder jenen Mangel gern. vergiebt, weil noch so _viel 
Hoffnung darin ist.  Von Steinle sind die farbigen _Cart0nS Zll 88111611 
ltresken in der Kapelle von Schloss Rheineck am Rhein,_ Darstellungen, 
die auf die Bergpredigt Bezug haben, vorhanden. Hier ist die liebens- 
würdige Eigenthümlichkeit des Künstlers sehr anziehend, eben weil sie 
 ftritt.  
ganzäääpzillcylnääraldie Nischen des Römersaales bestimmten Kaiserbil- 
dem sah ich den grösseren Theil in Nebenräumen aufgestellt. Ich fand
        

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