Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504750
Ueber 
die Richtung 
Bayern. 
Kunst in 
der 
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probt, namentlich um ihr bei monumentalen Werken eine möglichst 1m- 
zerstörbare Bescbalienheit geben zu können; neben der Frescomalerei hat 
man verschiedene Gattungen der Wachsmalerei geübt; die Technik der 
antiken iWandmalerei ist durch Schlotthauer, wenn auch nur erst in Pro- 
ben, doch vollständig wieder aufgefunden; in der, ebenfalls von Schlott- 
hauer erfundenen sogenannten Stereochromie besitzt man eine Gattung der 
malerischen Technik, die, wie es scheint, allen Witterungseinflüssen trotzen 
wird. Die Glasmalerei ist zu ausserordentlichen Erfolgen gediehen; die 
Porzellanmalerei müht sich, neben jener sich ebenfalls als eine eigenthüm- 
lich werthvolle Kunstgattung zu behaupten. Im Bronzeguss wird das Gross- 
artigste mit bewundernswerther Kühnheit und Sicherheit geleistet; mit 
ebenso grosser Sicherheit und Tüchtigkeit verfährt man in der Feuerver- 
goldung kolossaler Bronzen. Für die architektonischen Unternehmungen 
sind vielfache und zum Theil neue Hülfsmittel in Bewegung gesetzt; um 
nur Eins abzuführen, so ist dort (wie freilich schon früher bei uns) die 
Fabrikation der gebrannten Steine zu einer grossen, selbst für monumen- 
tale Zwecke sehr wohl geeigneten Vollendung gebracht; u. s. w. Nach 
allen Richtungen hin ist das Handwerk der Kunst hoch ausgebildet. Gleich- 
wohl ist auch hiebei noch in Frage zu stellen, ob diese Erfolge auch 
einen ähnlichen Aufschwung des eigentlichen und selbständigen Kunsthand- 
Werkes zur Folge gehabt haben. Der Blick auf die Industrieläden von Mün- 
chen schien mir dies, beim Wandeln durch die Strassen der Stadt, nicht 
gerade in vorzüglichem Maasse zu bestätigen. Doch hat München, wenig- 
stens von Hause aus, wohl nicht die Grundlage eines sonderlich bedeuten- 
den industriellen Verkehrs. 
Für die eigentliche künstlerische Ausbildung scheint durch jene grossen 
monumentalen Ilnternehmungen ein weites Uebungsfeld dargeboten zu sein. 
_Gew_1ss haben die dabei Betheiligten vielfache Gelegenheit gefunden, sich 
m der kunstlerischen Behandlung der verschiedenartigsten Auftraben und 
in der eben angedeuteten handwerklichen Praktik Fertigkeitenc aller Art 
Zll eigen zu 1113011811. Doch ist hiebei naturgernäss die Tendenz der monu- 
mentalen Kunst wiederum ausschliesslich vorherrschend gewesen und, wie 
umfassend auch, doch eben nur das zu ihr Gchörige geübt worden; die 
Oelmalerei namentlich ist hiebei so gut wie gar nicht zur Anwendung ge- 
kommen. Die Meister der Malerei sind in den verschiedenen Lokalen, die 
ihnen zur Ausschmückung angewiesen, beschäftigt gewesen, von verhält- 
nissmässig wenigen Gehülfen umgeben; Unterricht-Ateliers haben sie nicht 
eröffnen können. Man klagte mir sehr ernstlich, dass derjenige, der bei 
diesen monumentalen Werken nicht hinzugezogen worden, der sich über- 
haupt der monumentalen Malerei nicht habe widmen wollen, rücksichtlich 
seiner künstlerischen Ausbildung zum grössern Theil sich selbst überlassen 
gewesen sei; wenigstens für das, was der Stellung des Malers im allge- 
meinen Lebensverkehr die erforderliche Sicherheit gebe, d. h. für die Be- 
handlung der Oelfarbe, für die Zubereitung und Verwendung einer rich- 
tigen Palette, sei bis jetzt in München fast gar keine Belehrung zu finden 
gewesen.     
        

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