Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504735
Uaber 
gegenwärtige 
dia 
Lago 
der Düsseldorfer Schule. 
503 
hervorbringen würde. Ebenso aber scheint es mir nöthig, nicht sowohl im 
Organismus der Schule selbst, als in der Art und Weise der Bethätigung 
desselben einzelne kleine Veränderungen, einzelne Erweiterungen vorzu- 
nehmen, die, 0b vielleicht auch unscheinbar an sich, doch wesentlich zur 
Aufhebung jener Einseitigkeit beitragen dürften. Der Organismus de; 
Akademie ist so glücklich, jenes ächte, in heutiger Zeit so seltne Künst- 
lerleben, welches durch denselben hervorgerufen wurde, ist für die Kunst 
selbst gewiss so wohlthätig, dass dies vielmehr die sorglichste Pflege ver- 
dient; nnr im Einschlag des Gewebes scheinen einige kleine Anordnun- 
gen, die doch von erheblichen Folgen sein dürften, erforderlich     
Eine eigenthümliche Erscheinung ist ein, zu Düsseldorf ansässiger 
"Verein zur Verbreitung religiöser Bilder." Derselbe hat vor- 
zugsweise die Tendenz, die noch aus früheren Richtungen des Geschmacks 
und der religiösen Auffassung herrührenden, mehr oder weniger faden 
Kupfer mit Darstellungen heiligen Inhalts durch bessere, mehr innerlich 
empfundene zu verdrängen. Jedes Mitglied des Vereins zahlt jährlich 
'2 Rthlr. und empfängt dafür zum beliebigen Verbrauch jährlich 6 kleine 
Kupferstiche in je 10 Exemplaren. so dass das Stück im Wege dieser Sub- 
scription 1 Sgr. kostet, während es im Handel erheblich theurer ist. Der 
Verein ist übrigens. wie mir gesagt wurde, völlig Privatsache, und die 
Unternehmer sollen erst jetzt, nach mehreren Jahren des Bestehens, zu 
ihren Kosten kommen. Die Hanptveranlassung dazu hat der Kupferdrucker 
Schülgen zu Düsseldorf gegeben; die religiöse Fraction der Düsseldorfer 
Schule, und vornehmlich der Direktor von Schadow, hat sich für die Auf- 
nahme und für die Richtung des Vereins besonders interessirt. Die Auf- 
fassung der Bildchen gehört fast ausschliesslich demjenigen Kreise religiö- 
ser Kunstdarstellungen an, unter dessen Vertretern sich Overbeck, Steinle, 
v. Schadow, Deger besonders auszeichnen; neuerlich hat man jedoch an- 
gefangen, nicht blos die Werke von Neueren, sondern auch die von alten 
Meistern, aber eben so aussehliesslich die von italienischen "llrecentisten, 
zu stechen. Die Technik des Stichs in diesen Blättern ist meist vortreff- 
lich. Bei der schönen Tendenz des Vereins ist es zu bedauern, dass man 
 nach dem vorherrschenden Charakter jenes künstlerischen Kreises  im 
Allgemeinen nur solche Darstellungen zur Verbreitung fördert, denen eine 
passive Gefühlsstimmung zu Grunde liegt, und dass man somit über eine 
einseitige Wirkung nicht hinauskommen wird. 
Ueber 
Richtung 
die 
der Kunst 
in 
Bayern. 
Die grossartigexl Kunstunternehmungen in Bayern sind zu bekannt, als 
dass ich nöthig hätte, davon an dieser Stelle anders als nur in llüvhtigster 
Hindeutung zu sprechen. Durch die begeisterte Eingebung des Königs an
        

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