Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504268
456 
Jahr 
Kunstreise 
1845. 
herausgegebenen und mit Illustrationen versehenen Journales, la Renais- 
sance. Das Institut verfolgt somit in gewisser Art zugleich industrielle 
Zwecke, was indess bei einem in das Industrielle einschlagenden Kunst- 
fache zulässig und selbst zweckmässig sein dürfte. 
Privatinteresse 
für 
die 
Kunst. 
Sinn für die Kunst und Liebe zu ihr sind ein altes Erbtheil der bel- 
gischen Nation; noch heute ist sie mit den übrigen Interessen des Lebens 
innig verbunden. Zunächst und vornehmlich mit dem Privatleben. Die 
innere Einrichtung der Wohnungen, auch neugebauter, hat noch häufig 
jenen, wenn auch beschränkteren, so doch behaglicheren Comfort, der uns 
aus den alten Bildern der niederländischen Meister bekannt ist und der 
so gern in künstlerischer Weise ausgebildet wird. Oelgernälde namentlich 
gehören zu solcher Ausstattung der Wohnungen. Man geht selten an irgend 
einem gutgehaltenen Hause vorbei, ohne durch die (überall tief hinabrei- 
ehenden) Fenster des Erdgeschosses die breiten Goldrahmen der Gemälde 
hervorschimmern zu sehen, die an den Wänden der Zimmer aufgehängt 
sind. Das bedeutende Privatbedürfniss erklärt zunächst die grosse Anzahl 
derer, die sich in Belgien der Kunst widmen. Privatstiftungen von Kunst- 
werken in Kirchen sind auch nicht ganz selten. 
'l'hätigk eit 
der 
Communen. 
Aber auch öifentlieh geschieht Vieles für die Kunst. NVie weit dies 
von Seiten der Commune-n, rücksichtlieh besondrer Zwecke, der Fall ist, 
weiss ich zwar nicht näher anzugeben; mein Aufenthalt in Belgien war zu 
beschränkt, als dass ich diesen Verhältnissen iin Einzelnen hätte nach- 
gehen können. Jedenfalls ist zu bemerken, dass die Städte sich den Schutz 
und die Pflege der Museen, die sieh fast an jedem größerer) Ort und meist 
in Verbindung mit den Akademieen befinden, die aber in der Regel nur 
der älteren Kunst des Landes gewidmet sind, eifrig angelegen sein lassen. 
Gent ist durch die glänzenden Prachtbauten neuerer Zeit, den Universitäts- 
palast. den Jnstizpalast, das Theater n. a. m. ausgezeichnet. Antwerpen 
und Gent besitzen Privatvereine, sogenannte „S0cz'e'te's afencozzragement", 
die für die öffentliche Anerkennung der Kunst thätig und erfolgreich wir- 
ken sollen. 
Die 
Kunst 
als 
Staats-Bediirfniss. 
Als National-Bedürfniss hat die Kunst auch hier, wie in Frankreich, 
im Staats-Budget ihre besondern Posten (auch ausser den für die Kunst- 
Unterrichts-Anstalten bewilligten Summen) angewiesen erhalten. Neben 
den ausserordentlichen Fonds, die für die Ausführung grosser National- 
Denkmale  wie für das Denkmal auf der Place des zllartyrs zu Brüssel  
bewilligt werden, finden sich in dem Budget feststehende Fonds zur Un- 
terstützung der von den Städten und Provinzen zu errichtenden Denkmale 
grosser Männer Belgiens und zur Prägung von Medaillen auf denkwürdige 
historische Ereignisse (l0,000 Fraues im Büdget des Jahres 1845), sowie 
ein nicht unbedeutender Fonds zur Veranlassung andrer Kunstwerke, zu
        

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