Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504250
Kunst-Anstalten 
Belgien 
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in der Akademie war es Abend geworden, und ich hörte die Schüler in 
mehrstimmigem Gesange durch die Gänge hinausziehen. 
Der Besuch der Akademie, der vor der Reorganisation nur etwa aus 
400 bis 500 Schülern jährlich bestand, hat; sich in Folge der Reorganisa- 
tion schnell sehr bedeutend erhöht. Im Jahre 1843 belief er sich schon 
auf 1124 Schüler, darunter 830 aus Antwerpen selbst und 75 aus dem 
Auslande. Unter diesen Schülern befanden sich 401 eigentliche Künstler 
(222 Maler, 116 Bildhauer, 43 Architekten, 30 Kupferstecher und Holz- 
schneider). 410 Handwerker, 12 dem Militärdienst Angehörige und 29? 
Schüler, die sich noch zu keinem bestimmten Beruf entschieden hatten. 
Das Statut der Akademie spricht auch von einem „Corps acadelnä- 
que", welches bei derselben ins Leben treten sollte. Dasselbe sollte aus 
höchstens dreissig, zur.Hälfte belgischen, zur Hälfte auswärtigen, Mitglie- 
dern bestehen; auch sollte es, unter dem Namen von Agrägäs , 20 belgi- 
sche und 20 auswärtige Künstler zu ausserordentlichen Mitgliedern, sowie 
Ehrenmitglieder nach nicht beschränkter Zahl ernennen. Ein Diplom, eine 
Kette und Medaille von Gold, eine besondre Uniform waren für die Mit- 
glieder in Aussicht gestellt. Jährlich im August sollten die Mitglieder 
zusammen kommen, um ihre "Arbeiten" zu halten, nachdem sie für die 
letzteren ein besondres "Bureau" ernannt. Diese Arbeiten sollten bestehen 
im Verlesen des Protocolls der vor-jährigen Sitzung, im Einführen der letzt- 
ernannten und bestätigten Mitglieder, im Anhören eines Rapports über den 
Zustand der Schule, in Discussionen über zu machende Vorschläge zum 
Fortschritt der Kunst, und in der Wahl neuer Mitglieder.  Man sagte 
mir in Antwerpen, man habe das, in Brüssel abgefasste Statut in diesen 
Punkten doch allzu französisch befunden; man habe Nöthigeres zu thun 
gehabt, als die leere Formalität mit dem Corps academique und den Mit- 
gliedern zur Ausführung zu bringen t)_ 
Ecole 
de 
Gravure 
Zll 
Brüssel. 
Ausser der Akademie von Antwerpen existirt in Belgien nur noch 
ein artistisehes Bildnngsiustitut, welches den Namen einer Staats-Anstalt 
führt. Dies ist die Ecole Royale de Grauu-re zu Brüssel. Die Verwaltung 
derselben steht unter einem nAtlvninistrateztrh; für den Unterricht sind drei 
Professoren, einer für das Zeichnen, einer für den Kupferstich (Calamatta) 
und einer für den Holzschnitt angestellt. Aus Staatsfonds enrpfängt das 
Institut eine jährliche Unterstützung von 20,000 Francs. Die Schüler ver- 
pflichten sich, vier Jahre in dem Institut zu arbeiten und erhalten, wenn 
sie soweit fortgeschritten sind, dass von ihren Arbeiten ein ötfentlicher 
Gebrauch gemacht werden kann, für die letzteren eine Geldentschädigung. 
Der Administrator der Anstalt, Mr. Dewasme, benutzt, soviel znir 
gesagt wurde, die Thätigkeit der Schüler zur Ausstattung eines von ihm 
 Nach meiner Anwesenheit in Belgien ist zu Brüssel die Gründung einer 
Akademie der Wissenschaften und Künste erfolgt, die, wie es scheint, 
eine Nachahmung des Institut de Fmnce zu Paris ist und deren eine Abtheilung, 
wie bei dem letzteren, durch die Acadeünie des beaux-arts gebildet wird. Posi- 
tive Geschäfte, wie bei der Pariser Acadämie durch die Leitung der Angelegen- 
heiten der grossen Ooncurrenzen, scheinen den Mitgliederxi der letzteren nicht 
obzuliegen.
        

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