Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504187
443 
Jahr 
Knnstreise im 
1845. 
zum 15. Mai im Louvre stattfinden. Das hicbei beobachtete Verfahren und 
die gesetzlichen Vorschriften desselben sind einfach und bestimmt. Der 
Besuch der Ausstellungen ist uncntgeldlich, dafür wird aber auch, soviel 
mir bekannt geworden, für den Transport von ausserhalb kommender 
Kunstwerke keine Kosten-Vergütung bezahlt. Die Werke müssen zwi- 
schen dem 1. und 20. Februar eingeliefert werden; später wird nichts an- 
genommen; auch müssen sie sich im völlig ausstellungsfähigen Zustande 
befinden, ohne Kiste und Emballage, wesshalb auswärtige Künstler ihre 
Bevollmächtigten in Paris haben müssen. Ueber die Aufnahme der Werke 
entscheidet eine Jury, welche aus den ordentlichen Mitgliedern der Aca- 
dämie des beaum-arts (mitAusschluss der musikalischen Section) besteht und 
jedesmal durch den General-Intendanten der Civil-Liste zu diesem Behuf 
eingeladen wird. Wenigstens neun Mitglieder müssen dazu versammelt 
sein; die Bestimmungen, über die ein doppeltes Protokoll geführt wird, 
sind unwiderruflich. Das Aufhängen der Bilder und das Umhängen der- 
selben ist lediglich Sache des Direktors der königlichen Museen. Zur Be- 
lohnung ausgezeichneter künstlerischer Verdienste, dic sich auf den Aus- 
stellungen bemerklich gemacht, werden vom Könige nach dem Vorschlage 
des Direktors, Medaillen zu drei Glassen vertheilt, von denen eine jede 
nur einmal erhalten werden kann. In der Regel steigt der Künstler 
von der niedern Medaillen-Klasse zu der höhern empor; ebenso folgt auf 
die erste Klasse, als weitere Anerkennung, in der ltegel das Kreuz der 
Ehrenlegion.  Allgemein bekannt ist der grosse Uebelstand, dass für 
diese Ausstellungen kein besondres Lokal existirt und zu diesem Behuf 
die Räume der Gemäldegallerie des Louvre (die schon an sich zumeist 
keine sonderlich ausgezeichnete Beleuchtung haben) benutzt werden. Für 
die ganze Dauer der Ausstellungen und geraume Zeit vorher und nachher- 
ist somit der grösste Theil der Gemäldegallerie unsichtbar oder unzugäng- 
lich, abgesehen davon, dass diese jährlich wiederkehrende Einrichtung den 
alten Meisterwerken nach und nach sehr schädlich werden muss. 
Der Katalog der letzten Ausstellung (1845) gab mir zu einigen, nicht 
ganz gleichgültigen statistischen Beobachtungen über die gegenwärtigen 
Kunstverhältnisse Frankreichs Anlass. Er zählt 2332 Nummern, Werke, 
die von 1242 Künstlern herrührten. Unter den letzteren werden 1125 als 
in Paris und in der nächsten Umgegend Ansässige, d. h. als solche be- 
zeichnet, die keines besondern Bevollmächtigten bedurften. 117 Künstler 
hatten ihre Werke von ausserhalb eingesandt (und zwar 69 aus andern 
Orten Frankreichs und 48 aus dem Auslande), was, da keine Transport- 
kosten gezahlt werden, immer als bedeutend erscheint. Ferner sind in 
dem Katalog diejenigen Werke bezeichnet, welche (seit der Ausstellung 
des Jahres 1844) auf Veranlassung des Königs und öffentlicher Behörden 
ausgeführt waren. Hieraus ergiebt sich, dass unter diesen Arbeiten auf 
Veranlassung des Königs gefertigt waren: 23 Oelgemälde (meist historische 
Darstellungen, der älteren Zeit oder der Gegenwart angehörig), ein Por- 
zellan- und ein Aquarellbild, 2 Medaillen und 4 Lithographieen; auf 
Veranlassung des Ministers des Innern 28 Oelgemälde (meist kirchlichen 
Inhalts), 7 grössere Sculpturen und eine Medaille; auf Veranlassung des 
Ministers der ötibntlichen Arbeiten eine Büste und eine Medaille; auf Ver- 
anlassung des Präfekten der Seine ein Oelgemälde. Dass von den, für die 
städtische Verwaltung von Paris gefertigten Genrälden nur dies eine sich 

        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.