Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504176
Kunst- 
-Anstalten in 
Frankreich. 
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äussere Einrichtung hier gar keinen monumentalen Charakter, sie erscheint 
vielmehr als eine völlig provisorische. Der Luxembourg ist gegenwärtig 
das Palais der Pairskammer; die Gemälde und Statuen sind in den Ober. 
räumen zweier Seitenflügel. die nur durch den Uebergang über das otfne 
flache Dach des Vordergebäudes zusammenhängen, untergebracht; der ge- 
wöhnliche Treppenaufgang zu diesen Räumen ist einer öilentlichen Samm- 
lung, die vorzugsweise den Stolz der Nation ausmacht, ganz unwürdig. 
Doch will man dieser Sammlung vielleicht mit Absicht keinen monumen- 
talen Charakter geben, da die einzelnen Werke in der That hier nicht auf 
die Dauer bleiben sollen, vielmehr jedesmal nach dem Tode des betreffen- 
den Meisters nach der Gallerie des Louvre hinübergeführt werden. lndess 
scheint mir auch dies Princip nicht nachahmenswerth. Gegen das Ende 
des vorigen Jahrhunderts läuft die alte Kunst mit ihren unmittelbaren 
'l'raditionen ab; mit David (und mit all seinen Zeitgenossen in den übrigen 
Ländern, wenn im Einzelnen auch etwas früher oder später), beginnt eine 
neue Kunst, die für sich betrachtet und verstanden sein will und deren 
Werke den älteren fremdartig zur Seite stehen. Ein Museum für die neuere 
Kunst würde nach meiner Ansicht mit dieser Epoche beginnen und seine 
selbständige Einrichtung erhalten müssen. 
Um so glänzender und prachtvoller, ein wirkliches Monument von 
kolossalstem Llmfange, steht diesen Sammlungen das historische M u- 
seum von Versailles gegenüber, die grosse Schöpfung Louis Philippe's. 
Es ist bekannt, mit welchem rastlosen Eifer, mit welcher Unermüdlichkeit 
der König für dasselbe sorgt, wie dasselbe in kürzester Frist dem franzö- 
sischen Volke in tausenden von Gemälden und Bildwerken eine Anschau- 
ung all seiner Grosstbaten, der Persönlichkeit all seiner berühmten Männer 
und Frauen gebracht hat. Eine fast über-grosse Fülle von Aufgaben ist 
hiedurch der französischen Kunst zu Theil geworden, für die Behandlung 
der verschiedenartigsten Gegenstände, für die regste Uebung der Kräfte hat 
sich hiedurch die erfrßulichste Gelegenheit ergeben. Vieles, sehr Vieles von 
diesen Werken ist freilich Fabrikwaare, und gar manchem Künstler thut 
man Unrecht, wenn man ihn nach den hier vorhandenen Werken seiner 
Hand beurtheilt; bei der Schnelligkeit, mit der das Alles beschafft werden 
musste,  veranlasst vielleicht durch den lebhaften Wunsch des alternden 
Königs, die Vollendung des grossen Werkes noch zu erleben,  konnte es 
wohl kaum anders sein. Dennoch aber ist anzuerkennen, dass die wahr- 
haft grossen künstlerischen Kräfte sich auch in dieser schweren Prüfung 
bewährt haben, dass sie vielmehr in diesem Ringen erst zu ihrer vollkom- 
menen Entwickelung gelangt sind. Vor Allen meine ich hiemit Horace 
Vernct, dessen grosse Gemälde aus der Geschichte der neueren afrikani- 
schen Kriege nach meinem Gefühl das Bedeutendste und Vollendetste sind, 
was die gesammte französische Kunst alter und neuer Zeit aufzuweisen hat. 
Oeäentliche 
Kunst-Ausstellungen 
Zll 
Paris. 
Endlich ressortirt von der Verwaltung der königlichen Civil-Liste, und 
zwar speziell von der Direktion der königlichen Museen, die Angelegen- 
heit der grossen Kunst-Ausstellungen, welche jährlich vom 15. März bis
        

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