Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504161
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Kunstreise 
im 
Jahr 
1sgs. 
Museen des Louvre, Werke älterer Kunst aus allen Zeiten und Ländern 
umfassend, das im Luxembourg befindliche Museum von Arbeiten lebender 
Künstler, die Gallerie des Palais royal, gleichfalls aus neueren Werken 
bestehend, das fast unermessliche historische Museum im königlichen 
Schlosse zu Versailles gehören vornehmlich hieher. Aehnlich verhält es 
sich mit den an Kunstschätzen mehr oder weniger reichen königlichen 
Schlössern des Elysee Bourbon, zu St. Cloud, Meudon, Trianon, Fontaine- 
bleau, Cornpiegne, deren Besuch zu festgestellten Stunden, jedoch auf 
besondre Erlaubnisskarten, freigestellt ist. So rcssortiren u. a. auch die 
beiden Anstalten, welche einem vorzüglich glänzenden Kunstlnxus gewid- 
met sind, die Manufaktur der Gobelins zu Paris und die Porzellan-Manu- 
faktur zu Sevres (wo bekanntlich zugleich Porzellan-Malerei und Glas- 
Malerei auf umfassende Weise geübt werden) von der General-Intendantur 
der königlichen Civilliste, und auch für ihren Besuch von Seiten des 
Publikums sind bestimmte Stunden festgesetzt. 
Ich kann hiebei übrigens die Bemerkung nicht unterdrücken, dass 
einzelne jener Museen in ihrer äusseren Einrichtung nicht ganz den wür- 
digen, gemessenen Eindruck machen, den man nach ihrer Berühmtheit 
erwarten möchte. Den Räumen des Louvre namentlich fehlt Ueberein- 
Stimmung; sie haben zum Theil etwas Uhfertiges; es ist, als 0b sich der 
vielfache Dynastieenwechsel in der neueren Geschichte Frankreichs darin 
ausspräche. Mit der prachtvollen Ausstattung einzelner Theile (die zu- 
gleich nicht immer den Zweck, die aufgestellten Gegenstände möglichst 
genau und vollständig sichtbar zu machen, im Auge behält) contrastirt der 
fast allzu grosse Mangel an räumlicher Eleganz in andern. Auffallend 
war es mir, dass namentlich auch das erst unter dem jetzigen Könige 
beschalifte spanische Museum in seiner Umgebung noch so wenig monu- 
mentalen Charakter hat. Auch die berühmte grosse Gallerie, welche den 
Louvre mit den Tuilerieen verbindet und Wo die Meisterwerke älterer 
Malerei hängen, hat, wenigstens in Rücksicht auf die Beleuchtung, keine 
sehr rühmenswerthe Einrichtung. So musste ich ferner bedauern, dass 
man die grossen Copien nach Raphaels Fresken in den vatikanischen 
Stanzen, welche der Louvre besitzt, nicht zur Grundlage einer besondern 
Sammlung von Copien nach den Gemälden der ersten italienischen Meister 
zusammengeordnet und dass man es nicht möglich gemacht hat, die im 
Obigen genannten, in der Ecole des beaux-arts befindlichen Copien nach 
Michelangelo und Raphael damit zu vereinen; ebenso, dass man im Louvre 
(und- zwar in verschiedenen Theilen desselben) und in der Ecole des 
beaux-arts verschiedene Sammlungen von Gypsabgüssen eingerichtet hat, 
statt die Kräfte zu einem grossen und umfassenden Museum an Werken 
solcher Art zusammenzuhalten. i)  Das Museum des Luxembourg, 
der lebenden französischen Kunst gewidmet, ist bekanntlich in Rücksicht 
auf die Zahl und zumeist auch auf die räumliche Grösse der dort aufge- 
stellten Meisterwerke bis jetzt einzig in seiner Art. Doch hat die ganze 
1) Zur Erklärung dieser Erscheinung dient vielleicht die in Frankreich 
stattfindende Eifersucht zwischen den verschiedenen Staats-Gewalten. Auch mag 
die befremdliche Anhäufung von Kunstsammlungen in der Ecole des beaux-arts 
(die, wie schon bemerkt, besonders durch Thiers veranlasst sein soll) ein Ver- 
such gewesen sein, das königliche Vorrecht in Betr-elf der unbedingten Verwal- 
tung der öäentlichen Kunstsammlungen zu untergraben.
        

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