Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504152
K unst-A nstalten 
Frankreich. 
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Und jedenfalls bleibt jener moralische Erfolg, der aus der officiellen An- 
erkennung der Kunst als eines Staatsbedürfnisses entsteht, in dem weseng. 
liehen Theile seiner Einwirkung unbeeinträchtigt. 
Wirksamkeit 
der 
Stadt 
Paris 
für 
öffentliche 
Kunstzwecke. 
Dieser Wirksamkeit der Staatsregierung streben die städtischen Com- 
munen, und strebt vor allen die Stadt Paris, die sich freilich sehr bedeu- 
tender Einnahmen erfreut, eifrigst nach. Paris hat gegenwärtig ein Kunst- 
budget von jährlich 60,000 Francs, welche Summe jedoch in der Regel 
nur zur Ausführung von einzelnen Gemälden, Stallelei- oder Wandbildern, 
die zur Ausstattung von Kirchen und andern öffentlichen Gebäuden die- 
nen, verwandt wird. Für alle eigentlich monumentalen Unternehmungen, 
für künstlerisch prachtvolle Bauten, für plastische Monumente oder die 
umfassendere plastische, auch malerische Ausstattung der Bauwerke wer- 
den stets besondre Fonds bewilligt. Die glänzenden Bauten, welche die 
Stadt in neuerer Zeit aus ihren Fonds hat ausführen lassen, sind bekannt; 
die kolossale Kirche Ste. Madeleine, die mit Bildwerken und grossräumi- 
gen Wandgemälden von der Hand vorzüglicher französischer Meister 
geschmückt ist; die elegante Kirche St. Vincent de Paul, für deren Aus- 
stattung durch Wandmalereien (neben dem schon vorhandenen, besonders 
in den gemalten Fenstern so bedeutenden bildlichen Schmuck) man kürz- 
lich die Summe von 200,000 Francs bestimmt hat; die glanzvolle Erwei- 
terung des Hotel de Ville, dessen neue Theile beträchtlich mehr als zwei 
Drittel der Gesammtanlage ausmachen und sich, soweit sie im Innern fer- 
tig sind, durch die geschmaekvollste, vielleicht nur zu luxuriöse künstle- 
"Fche Dekoration auszßmhllell, u. s. w. In den älteren Kirchen findet man 
eine grosse Anzahl von Altarbildern oder ganz al fresco oder in Wachs 
ausgemalter Kapellen, die in den letzten Jahren fast durchweg durch die 
städtische Verwaltung beschafft sind; die noch im Werk begriffenen 
Wandmalereien in der alten Kirche St. Germain-des-pres, die von dem 
Maler Flandrin ausgeführt werden und auf dieselbe Weise veranlasst sind, 
muss ich als Arbeiten eines ächt kirchlichen Geistes, und zwar als die 
würdigsten und grossartigsten. die ich in Frankreich kennen gelernt habe, 
namhaft machen. Die Stadt Paris hat das Glück, in dem Bureau-Chef 
für das Departement des lreauw-arts bei der städtischen Verwaltung, Herrn 
Varcollier, einen Mann zu besitzen, der auf der Grundlage einer wirklich 
(slawischen Kllllstbildung diese Angelegenheiten mit lebendigster Eingebung 
betreibt und dem zugleich, in Anerkennung seiner Verdienste, vom Prä- 
fekten der freiste Spielraum für seine Thätigkeit zu Theil wird. 
Königliche 
Wirksamkeit für die Kunst. 
Kunstsammlungen. 
Oetfentliche 
Der königlichen Wirksamkeit für die Kunst ist die Sorge für die 
grossen öffentlichen Kunstsammlungen vorbehalten. Hier auf ausschliess- 
lieh königlichem Grund und Boden, in den Prachträumen königlicher 
Schlösser, empfängt gewissermassen der König das Volk und bietet dem- 
selben die höchsten Kunstgenüsse als freies Geschenk dar. Die grossen
        

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