Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504097
Kunst-Schulen 
den 
Departements. 
Neben den Pariser Anstalten zur Kunstbildung müssen auch diejenigen, 
welche in den andern grossen Städten des Landes vorhanden sind, in Be- 
tracht gezogen werden. Aus eigner Anschauung kenne ich dieselben nicht. 
Man sagte mir, dass die Regierung, so sehr sie die Anstalten zur künst- 
lerischen Bildung der Handwerker fördere, die in den Provinzialstädten 
vorhandenen und aus Communal-Mitteln erhaltenen eigentlichen Kunst- 
schulen absichtlich ignorire und denselben so wenig wie möglich entgegen- 
komme; das schon vorhandene Uebermaass von Halbkünstlern, das sie 
nicht noch mehr vermehren wolle, mache ihr dies zur Pflicht. Ausge- 
nommen hievon seien nur zwei Kunstschulen, die zu Dijon und die zu 
Lyon, die. obgleich beide ebenfalls aus Communalfonds bestehend, sich 
doch besondrer Zuschüsse aus Staatsfonds erfreuten; beide verdanktcn vor- 
nehmlich ihrem höheren Alter, da sie schon an's der Zeit vor König 
Louis XIV. herrührten, diese Sorge für ihre fernere Unterhaltung. Mir 
wurde ferner mitgetheilt, dass die Kunstschule zu Lyon überhaupt sehr bedeu- 
tend sei, sowohl in rein künstlerischer Beziehung, wie sich denn die Lyoner 
Malerschule (deren Vorzug in dem "Fini" bestehen soll) einer namhaften 
Anerkennung in Frankreich erfreut, als auch in Bezug auf die Sorge, 
welche sie, mit Rücksicht auf die industrielle Bedeutung Lyonls, wieder- 
um der künstlerischen Ausbildung der Handwerker widmet. Unter den 
übrigen Kunstschulen Frankreichs soll besonders die lediglich aus städti- 
schen Mitteln bestehende „Ecole des beaux-arts et cies sciences industrielles" 
111 Toulouse, einem durch reges künstlerisches Interesse ausgezeichneten 
Orte, auf bedeutende und erfreuliche Weise wirken. 
mit lägtstedeneättatlälten dieser Anstalt, die ich näher einzusehen Gelegen- 
  r g_ CWOII, dass sie in der That sehr umfassend ist, indem 
sie zunächst, in verschiedenen Abtheilnngen, eine praktische Musikschule 
enthält; Sodann einen sehr vollständigen Cursus im Zeichnen, in verschie- 
denen Stufen, von den ersten Anfängen bis zum Zeichnen nach dem lebenden 
Modell; Unterricht in der Malerei, theoretisch, praktisch und bis zur freien 
Composition; Unterricht in der Sculptur, ebenfalls in verschiedenen 
Klassen; Unterricht in der Anatomie, in den mathematischen und mecha- 
nischen Wissenschaften, in den graphischen Künsten, denen hier die Per- 
spective" zugezählt ist, in der Constructionslehre nach ihren verschiedenen 
Beziehungen und in den Hauptgegenständen der Architektur. Unter den 
besondern Vorschriften scheinen mir namentlich die bemerkenswcrth, 
welche zur Aufnahme in jede höhere Unterrichts-Klasse das Qualitications- 
attest von Seiten der Lehrer der niederen Klasse als erforderlich bezeichnen, 
und die Bestimmungen, welche die speziell genausten Rapporte über den 
Klassenbesuch vorschreiben. Die Verwaltung der Schule scheint von dem 
"Direktor" derselben ziemlich selbständig geführt zu werden, bis auf 
die Punkte, in welchen er in höherer Instanz dem Maire der Stadt 
verantwortlich ist. Preisvertheilungen finden am Schluss jedes Schul- 
jahres statt. 
Wie bedeutend aber auch möglicher Weise die Wirkung einzelner 
Kunstschulen in den Provinzialstädten Frankreichs sein mag, die centrali- 
sirende Kraft von Paris bringt es dennoch mit sich, dass die jungen Künstler 
dort ihre höhere Ausbildung suchen. Paris bietet ihnen die glänzcndste
        

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