Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504082
438 
Kunstreise 
im Jahr 
1845. 
ordneten Ministerium und mit andern Behörden in den meisten Fällen ohne 
Mitzeichnrlng des Präsidenten correspondirt. 
In nächstem,  wenn ich mieh so ausdrücken darf: moralischem Zu- 
sammenhange mit den bei der Ecole des beaum-arts stattfindenden Con- 
currenzen stehen die grossen, von der Acadävnie des beaum-arts ausge- 
schriebenen Concurrenzen, welche den Sieger nach Italien führen und 
dazu bestimmt sind, die möglichst gediegene Ausbildung der vorzüglich- 
sten künstlerischen Talente des Volks zu vermitteln. Ich muss indoss, 
ehe ich hievon spreche, noch einige andere Punkte berühren. 
Atelier-Unterricht 
ZU 
Paris. 
Da durch die Ecole des beaux-arts, als Unterrichts-Anstalt, für die 
Ausbildung der jungen Künstler in so wenig zureichender Weise gesorgt 
ist, so machen sich statt dessen in Paris Privatanstalten geltend, welche 
diesen Mangel ersetzen sollen. nPrivat-Ateliers" sind dieselbsn aber 
kaum zu nennen, da nach den mir gewordenen Mittheilungen jenes ver- 
traute Verhältniss des Schülers zum Lehrer, das wir in Deutschland ge- 
wohnt sind, und das bei uns sogar mit Glück auf die Verhältnisse ötfent- 
licher Anstalten übergetragen ist, in Paris nur in den seltensten Fällen 
vorkommen dürfte. Die Privat-Schule ist in der Regel in gar keiner Ver- 
bindung mit dem Atelier des Meisters, mehr oder weniger von dem letz- 
teren entlegen, und wird von dem Meister in der Regel nur zweimal 
wöchentlich auf einige Stunden besucht. Das Studium in diesen Schulen 
ist insgemein, wie wir es nennen, akademischer Art, nach der Antike, 
nach dem lebenden Modell, u. s. w. Zum Theil, wie gegenwärtig z. B_ 
in der Schule des Malers Coguiet, der zu den besten jetzt lebenden Ma- 
lern in Paris gehört, wird der Eifer der Schüler auch hier durch Concur- 
renzen und ausgesetzte Preise rege erhalten. Es liegt in der Natur de; 
Sache, dass die subjectiven Ansichten des Meisters über die Erfordernisse 
des künstlerischen Bildungsganges in diesen Anstalten von bedingendem 
Eintlusse sein müssen; so hatte z. B. Delaroche die Uebung im Compcni_ 
ren nach Möglichkeit gefördert, Ingres derselben aus Principien möglichst; 
entgegengearheitet. Dass in diesen Schulen jenes, so wünschenswerthe 
nähere Verhältniss des Schülers zum Lehrer gar nicht zu Stande kommt, 
mag wesentlich in der sittlichen Entartung der französischen Jugend lie- 
gen; von der Rohheit und Gemeinheit der künstlerischen Jugend in Paris 
hat man mir ein trauriges Bild entworfen. Es ist bekannt, dass Delaroche 
seine Schule vor einigen Jahren, wegen der aller-gröbsten Excesse, die 
darin vorgefallen waren, ganz hatte auflösen müssen.  Es scheint aber, 
dass eine beträchtliche Anzahl junger Künstler auch diesen Privat-Unter- 
richt nicht einmal benutzt oder dass ihnen die Mittel dazu fehlen, und 
dass sie ganz auf eigne Hand das Nothdürftige zur Gewinnung einer künst- 
lerischen Existenz zu erlernen suchen. Wenigstens fand ich die öffent- 
lichen Gallerieu im Louvre und im Luxembcurg stellenweise mit Staffe- 
leien überfüllt, auf denen die Meisterbilder zum Theil in wahrhaft ab- 
schreckender, kenntnisslosester Weise copirt wurden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.