Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504064
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im Jahr 
Kunstreise 
1845. 
zu Anfang jedes Halbjahres stattfindenden Concurrenz abhängig gemacht. 
welche, bei dem grossen Zudrang, in der Regel mehrere Wochen dauert. 
Das Bestehen in dieser Concurrenz giebt aber nur für das eine Halbjahr 
das Anrecht auf einen Platz in der Anstalt; delinitiv als Schüler wird 
nur derjenige betrachtet, der in einer der folgenden Concurrcnzen eine 
Medaille gewonnen hat; dieser braucht wegen des Rechtes auf einen Platz 
nicht von Neuem mitzuconcurriren. 
Für den Unterricht in der Anatomie war, wie mir gesagt wurde, ur- 
sprünglich jener halbrunde Saal, den jetzt das grosse Wandbild von De- 
laroche schmückt, bestimmt. Seither hatte man denselben in einem nicht 
wohleingerichteten Saale unter den Räumen der Gypsgiesserei abgehalten, 
und soll für ihn gegenwärtig ein besondrer theaterförmiger Bau ausgeführt 
Werdßll- Für die Perspektive und die architektonischen Lehrfächer dienen 
Zwei, nicht bedeutend grossc Classen, in denen sich die Sitzbänke, dem 
Katheder des Professors gegenüber, treppenartig erheben. Tische sind vor 
diesen Bänken nicht vorhanden, so dass die Schüler, wenn sie schriftliche 
Notizen machen oder etwas nach den Darstellungen des Professors auf. 
zeichnen wollen, dies auf dem Knie thun müssen. Auch eine solche Ein- 
richtung möchte sich nicht als sonderlich fruchtbringend empfehlen. Der 
Sitz des Gardiens fehlt übrigens auch in diesen Classen nicht. Bei der 
geringeren Anzahl derjenigen, welche sich der Architektur widmen, ist 
für sie die Aufnahme aus räumlichen Gründen nicht beschränkt. Dieselbe 
wird jedoch ebenfalls von einer Concurrenz, d. h. hier von einem Examem 
abhängig gemacht. 
Die Kleinlichkeit und Beschränktheit dieser Lehr-Classen, den kolos_ 
salen Räumen, über welche die Ecole des beauz-arts ausserdem gebietet, 
gegenüber, die geringe Zeit, die dem Unterricht, wenigstens dem wich- 
tigsten, gewidmet ist, macht auf den Fremden, der an französische Sitte 
nicht gewöhnt ist, einen seltsamen Eindruck. Doch muss hier beiläufig 
eingeschaltet werden, dass es in Folge einer neuerlich getroffenen Bestim- 
mung den Schülern verstattet ist. in der Sammlung von Gypsabgüssen 
nach der Antike während vier Tagen in der Woche, täglich sechs Stunden 
lang, nach eigner Wahl und nur im Beisein eines Gardiens zu zeichnen, 
 eine Begünstigung, von der indess bis jetzt wenig Gebrauch gemacht 
werden soll. 
Es scheint mir aber, als ob das ganze Unterrichtswesen an der Ecole 
des beaum-arts, ihrem Namen zum Trotz, nicht gar viel mehr als nur eine 
nothwendige Formalität, nur ein nothwendiges Vehikel für ein Andres sei 
welches aus der innersten nationellen Eigenthümlichkeit der Franzoser; 
hervorgegangen ist, und welches offenbar (was schon ein flüchtiger Blick 
in die Reglements bestätigt) denßauptgegenstand der Thätigkeit für Schüler 
und Professoren ausmacht. Dies ist wieder das Concurrenzwesen, das 
sich hier zu einem förmlichen, sehr ausführlichen, complicirten und nicht 
ohne Schwierigkeit zu durchdringenden System entwickelt hat. ln der 
ersten Section finden an jährlichen Concurrenzen statt: zwölf sogenannte 
"Concours elüimulation"; je zwei Concurse in der Perspektive, in der Ana- 
tomie, in der skizzirten Composition historischer Landschaften und in der 
ebenfalls skizzirten figürlich historischen Composition (diese doppelt, für 
Maler und Bildhauer); für Landschaftsmaler ferner ein sogenannter nCon. 
cours de Farbre", zur Darlegung der Technik in ausgeführter Darstellung; 
für Historienmaler und Bildhauer ein "Coneours de la täte d'expression"
        

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