Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1504043
434 
Kuustreise 
Jahr 
1845. 
und Renaissance-Formen phantastisch durcheinandermischenrl, gebaut war. 
Hier tritt man in einen zweiten, breiteren Hof, in dessen Wände eine 
 grosse Menge von interessanten Fragmenten älterer Architektur und Scnlptur, 
Ueberresten jenes Musäe des monumens frangais, eingelassen ist. Erst im 
Grunde dieses zweiten Hofes erhebt sich das eigentliche, von Dnban er- 
baute Palais des beaux-arts, ein längliches Viereck mit einem besondern, 
auch ziemlich geräumigen Hofe in der Mitte; der vordere Flügel desselben 
besteht aus drei, die andern Flügel aus je zwei Geschossen. Vor der 
Facade und im innern Hofe stehen Marmor-Sculpturen, Copien nach der 
Antike, die von Pensionärs der Acadämie de France in Rom ausgeführt 
sind, auch einige, zum Theil sehr werthvolle antike Sculpturen. Die 
ganze innere Ausstattung, Vestibül, Treppenanlage, grosse und kleine 
Säle, sind äusserst grossartig und von wirklich monumentalen] Charakter, 
Es befindet sich in diesen Räumen ein sehr reiches Museum von Gypsab- 
güssen nach der Antike, eine nicht minder reiche Sammlung architektoni- 
scher Modelle (besonders nach antiken Bauwerken Frankreichs), die grosse 
Sammlung der Gemälde, Zeichnungen, Kupferstiche und Sculpturen, welche 
bei den von der Acadämie des Zzeaux- arts als Abtheilung des Institut de 
France veranlassten Concurrenzen die grossen Preise davongetragen haben 
(eine Angelegenheit, die aber zu der Ecole des beauw-arts an sich eigene 
lieh in keiner Beziehung steht), ansehnliche Säle für eine Bibliothek (die 
aber erst in sehr geringen Anfängen vorhanden ist), ein geräumiger und 
sehr anständig ausgestatteter Saal für die Sitzungen der Professoren und 
ein halbrunder, theatralisch eingerichteter Saal, der für die Preisverthei- 
Jungen bestimmt sein soll und jenes berühmte Wandgemälde von Delaroche 
mit den Bildern der älteren Meister als Preisrichtern und Zuschauern der 
Preisvertheilung enthält 1). Zu den Seiten des grossen Palastes sind wieder 
Höfe; in dem einen derselben steht ein grosses Hans von unansehnlicher- 
Architektur, welches, obgleich ebenfalls ein Pertinenzstück der Ecole, im 
Erdgeschoss die Räume einer Gypsgiesserei, in den oberen Geschossen die 
Lokale für die jungen Künstler, welche an den schon erwähnten, von der 
Acadänzie des beaum-arts veranstalteten Ooncurrenzen Theil nehmen, ent- 
hält. Unter den oben genannten Seitengebäuden zur Rechten des vorderen 
Vorhofes befindet sich die (architektonisch unbedeutende) Kirche des ehe- 
maligen Klosters, die zur Aufnahme einer wieder sehr reichhaltigen Samm- 
lung von Original-Sculpturen der Renaissance-Zeit und von Gyps-Abgüggen 
nach solchen eingerichtet wird. Hier befinden sich auch Copien nach den 
1) Der halbrunde Saal ist im Verhältniss zu seiner angeblichen Bestim- 
mung auliallend klein. Man sagte mir, ursprünglich sei zu den Preisverthei- 
lungen einer der grösseren Säle des Palastes bestimmt gewesen; unter dem 
Ministerium Thiers sei aber alles Gewicht auf die Beschaffung jener umfassenden 
Kunstsammlungen gelegt werden, wesshalb man die grösseren Säle zu diesem 
Zwecke, und den halbrunden Saal, der eigentlich für den anatomischen Cursns 
bestimmt gewesen, zu dem Zweck der Preisvertheilung eingerichtet habe. Dela- 
roche habe sofort den Auftrag zu seinem grossen Wandbilde erhalten. Nach 
der Vollendung des letzteren habe man aber eingesehen, dass man diesen Saal 
doch nicht für die Preisvertheilung benutzen könne und so werde derselbe, wie 
man sich ausdrückte, wohl nur die Bestimmung behalten, "den Rahmen zu dem 
Wandgemälde zu bilden." Da. es nach jenen luxuriösen Einrichtungen augen- 
blicklich an weiteren Mitteln fehlt, so ist es übrigens noch nicht möglich gewe- 
sen, die anderweitige Dekoration des halbrunden Saales zu vollenden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.