Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500076
köuigl. 
der 
Sitzung 
Oeffentliche 
Akademie 
der Künste zu 
Berlin 
39 
hauer eröffnet werden. Der grosse Saal der Akademie war für die 
Aufnahme einer Versammlung, die sich sehr zahlreich einfand, eingerichtet 
und festlich geschmückt. Nach den Einleitungsworten, welche der Vor- 
sitzende, der Herr Geheime Ober-Regierungsrnth Uhden statt des abwe- 
senden Direktors, sprach, eröffnete eine, vom Musikdirektor Rungenhagen 
conponirte und von schönen Stimmen ausgeführte Cantate, welche die 
Freiden und den Preis der Kunst verkündete, das Fest. Darauf hielt Herr 
Professor Toelken, Sekretair der Akademie, eine Rede, in welcher er 
die Bedeutsamkeit und Nothwendigkeit der akademischen Institute für die 
Gegenwart, als durch welche der künstlerischen Ausbildung ein sicheres 
Fundament geboten und eine dauernde Kunstblüthe begründet werde, ent- 
wickelte und besonders das Vorurtheil zu widerlegen suchte, welches noch 
stets die heutigen Akademieen mit den, zwar gleichnamigen, aber ihrer 
Einrichtung nach sehr verschiedenen Instituten des siebzehnten und acht- 
zehnten Jahrhunderts verwechselt. Herr Toelken beschloss seinen Vortrag 
mit der Verlesung des Reglements für die neu eingerichtete musikalische 
Section der Akademie, über deren Stiftung bereits in der Sitzung vom 
11. Juni d. J. berichtet werden war, und eröffnete endlichnoch eine uner- 
wartet freudige Aussicht, dass nemlich auch für die Poesie, und zwar für 
die dramatische, eine ähnliche, zwar unabhängige, Anstalt zu hoffen sei. 
Auch hier sollten, was bei der Einrichtung der musikalischen Section der 
Akademie ebenfalls als ein Haupttheil ihrer Wirksamkeit bezeichnet wurde, 
Preisbewerbungen und, für den Sieger, die Mittel für sorgenfreie Studien- 
jahre das Wesentlichste sein. Somit haben wir zu hoffen, dass derjenigen 
Kunst, welche den Grund und wahren Inhalt aller übrigen ausmacht, auch 
mit der Zeit eine öffentlich anerkannte Stellung in dem öffentlichen Leben 
und für dasselbe zu Theil werden dürfe, während sie bisher noch stets 
der schrankenlosen Willkür des Einzelnen überlassen ist. 
Darauf ward zur Ertheilung des Preises für die Bildhauer geschritteir. 
Es hatten sich diesmal zwar nur drei Concurrenten gemeldet, doch waren 
sie, nachdem die ersten, nach einer bestimmten Aufgabe gefertigten Skizzen 
die Probeakte und die Skizzen nach der Hauptaufgabe sämmtlich als be- 
friedigend befunden worden waren, zur Anfertigung der grösseren, entschei- 
denden Reliefs zugelassen worden. Die Hauptaufgabe war, mit einzelnen, 
für die plastische Gestaltung des Momentes nöthigen Abänderungen, dem 
zwei und zwanzigsten Buch der Odyssee entnommen und ungefähr also 
gestellt: Odysseus hat die Freier erlegt und ist im Begriff auch den alten 
Sänger Phemios zu erschlagen, der sich an den Altar des Zeus geflüchtet 
hat; Telemaehos sucht ihn durch sein Fürbitten davon abzuhalten; eine 
Sklavin wendet sich mit Entsetzen von den Erschlagenen hinweg. Von 
den letzteren sei wenigstens Einer anzubringen. Die Breite der Reliefs 
war auf 3 F. 8 Z., mit entsprechender Höhe, bestimmt, ein Zeitraum von 
ungefähr 13 Wochen für ihre Anfertigung festgesetzt worden.  Die Er- 
klärung des akademischen Senates ging dahin: dass eine Jede der abge- 
lieferten Arbeiten im Einzelnen viel Schönes und Würdiges enthalte, auf 
der andern Seite aber auch Manches, was namentlich Anatomie und Pro- 
portion betreffe, zu wünschen lasse. Der Preis sei dem Relief N0. II. 
zuerkannt. Doch werde No. III. als das in der Coneeption glücklichste, 
N0. I. als ehrenvoller Erwähnung würdig genannt. Hierauf wurde der 
Name des Siegers, Hrn. Jul.ius Troschel aus Berlin, Schülers des Hrn. 
Professor Rauch. proclamirt und ihm von dem Vorsitzenden die Schenkungs-
        

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