Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503796
Berlin. 
Neues aus 
409 
tung; seit wir aber auf's Neue vorgeschritten und neben der stylisrischeu 
Strenge der Form auch den Werth der malerischen Behandlung wiederum 
anerkannt haben, scheint auch die Schabmanier wieder in ihre eigenthüm- 
liehen Rechte eintreten zu wollen. Wo es auf eigentlich malerische Wir- 
kung ankommt, und vornehmlich, wo die Formen nicht in gar kleinem 
Maassstabe gezeichnet sind  somit besonders bei Bildnissen  ist diese 
Manier gewiss mit grossem Vortheil anzuwenden. Dies Wird auch zur 
Genüge, wie durch frühere, so durch die neueren Blätter, die in geschah- 
ter Manier gestochen sind, dargelegt. Mit glücklichem Erfolge ist nament- 
lich G. Lüderitz in Berlin in dieser Technik aufgetreten. Sein neustes 
Blatt ist das obengenannte. Die Krügersche Zeichnung, nach welcher 
dasselbe gefertigt ist, stellt das Brustbild des grosscn Meisters der neueren 
Sculptur dar; sie ist bei Thorwaldsens letzter Anwesenheit in Berlin ge- 
macht. Es ist nicht mehr die jugendlich männliche Kraft, die wir in die- 
sem Bilde vergegenwärtigt sehen; es ist der Kopf eines milden, freund- 
lichen Greises, mit vollen, weichen, minder energischen Zügen. V00 
weichem weissem Haupthaar überwallt; doppelt interessant aber ist es, 
auch hier noch das mächtige Gefüge der Formen, die hohe majestätische 
Stirn, die ungetrübte Klarheit des ächt nordischen Blickes zu erkennen; 
wir sehen es, dass auch in diesen Zügen jener grossartige Geist, jene 
schöpferische Lebenskraft noch thätig ist. Die ganze Auffassung ist in der 
Lebendigkeit gehalten, die überall Krügefs Bildnisse so cigcnthümlich 
auszeichnet. Der Kupferstecher ist der Bewegung und Entwickelung der 
Formen sehr glücklich gefolgt, und wenn die Technik auch die Weichheit 
der Darstellung besonders begünstigen musste, so hat er doch zugleich 
das Breite und Volle, überhaupt das eigenthümlich Charakteristische der 
malerischen Behandlungsweise eben so glücklich wiederzugeben gewusst. 
Auch a" Scharfer Bestimmtheit, wo es nöthig war, fehlt es nicht. Die 
lrlaltung des Ganzen ist vortrefflich. Das Blatt wird gewiss den Verehrern 
llwfWiÜdSens, die auch von der Erscheinung seiner späteren Jahren eine 
Anschauung zu haben wünschen, sehr willkommen sein. 
E118 
3.118 
Berlin. 
(Kunstblatt 
1843 , 
Der 3. August, der Geburtstag unsres verstorbenen Königs und lange 
Jahre hindurch ein Festtag für unser Volk, hat uns die Vollendung und 
Enthüllung eines öiientlichen Denkmals gebracht, zu dem die Vorberei- 
tungen schou seit etlichen Jahren im Werke waren. Es ist dies die 
Friedenssäule im Mittelpunkte des kreisrunden Belle-Alliance-Platzes 
am Halleschen Thore, zu der vor drei Jahren der Grundstein gelegt 
wurde; sie ist ein Denkmal der Friedenszeit, die damals bereits ein Vier- 
tel Jahrhundert erreicht hatte, und die auf so lange Frist dem preussischen 
Staate zuvor noch nie beschieden war. Ueber einem kreisrunden Unter- 
bau, um den sich ein Becken für springendes Wasser herumzieht, erheben
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.