Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1503784
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Berichte, 
Kritiken, Erörterungen. 
hervorgerufen hat, durch die beredte Charakteristik und zugleich durch 
die feierliche Würde, mit der sie sich äussert. Auf der Höhe des Oel- 
berges sitzt der Erlöser, der, auf die heilige Stadt niederblickend, ihren 
Untergang verkündet; neben ihm auf jeder Seite zwei von den Jilngern. 
Die Blicke des einen hängen an seinem Munde; zwei andre schauen, mit 
düsterm Staunen und mit schmerzvoller Klage, auf die Stadt nieder; der 
vierte, Johannes , fasst in sich gekehrt all die unendliche Trauer, die sich 
an die Worte des Meisters knüpft, in seinem Innern zusammen. Die 
Gruppe ordnet sich in grossartig plastischer Klarheit; doch herrscht in der 
Behandlung, dem entschiedenen Bedürfnisse des Situations- und Charak- 
terbildes gemäss, das malerische Element, alles Dasjenige, was der Wir- 
kung der Farbe und des Helldunkels angehört, vor. Werke von solcher 
Beschaffenheit, wo es so wesentlich auf das Detail der Charakteristik und 
der Behandlungsweise ankommt, sind überall im kleinen Maassstabe schwer 
wiederzugeben; vielleicht ist dies einer der wesentlichsten Gründe, wess- 
halb die Mehrzahl norddeutscher Kunstleistungen dort, wo man sie weni- 
ger nach den Originalen als nach kleinen Nachbildungen beurtheilen 
konnte, oft ein so schiefes und ungenügendes Urtheil erlitten haben. Die 
vorliegende Lithographie erfüllt jedoch alle Ansprüche, die man an eine 
Arbeit solcher Art machen kann. Sowohl das plastische, als vorzugsweise 
das malerische Element, dessen Nachbildung bei so beschränkten Mitteln 
der grössten Schwierigkeit unterliegen muss, ist sehr glücklich wiederge- 
geben; die Form zeigt sich überall klar und bestimmt verstanden; die 
verschiedenen Töne sind glücklich beobachtet, ebenso die Spiele des 
Helldunkels; Schatten und Lichter sind breit, kräftig und markig wieder- 
gegeben. Das Ganze erscheint in ansprechendster Harmonie. Vorzüglich 
aber muss die, hiermit zwar engverbundene geistige Auflassung hervorge- 
hoben werden, die sich namentlich in den Feinheiten des physiognomischen 
Ausdrucks, des Minen- und Geberdenspieles ausspricht. 
Albertus 'l'h0rwaldsen. Nach der Natur gezeichnet von F. Krüger, 
Gestochen von Gust. Lüderitz. Berlin, C. G. Lüderitfsche Kunstver- 
lagshandlung. 
(Kunstblatt 
1843, 
Der Kupferstich in geschabter Manier ist in neuerer Zeit in Berlin 
mehrfach zur Anwendung gekommen. Wir meinen, dass das missliebige 
Urtheil über diese Technik, welches seit etlichen Jahrzehnten ziemlich 
gäng und gäbe ist, oft mit grossem Unrecht ausgesprochen wird. Dasselbe 
entstand ohne Zweifel in der ersten Zeit des neueren Aufschwunges der 
Kunst, als man vor allen Dingen auf die strenge und gemessene stylisti- 
sche Ausbildung der Form, nach dem Vorbilde der alten Meister, ausgehen 
und demgcmäss auch diejenige Weise der Kupferstccherei, welche sich in 
solcher Richtung bewegt, vorziehen musste. Als eins der Symptome einer 
sehr wichtigen und folgcreichen Krisis in dem Entwickelungsgange der 
Kunst hat dies Urtheil somit seine anerkenncnswerthe historische Bedeu-
        

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